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Geschichte der lateinischen Literatur des Mittelalters. Erster Teil,
hat? 1 ) Jedenfalls ist diese, außer den vorgenannten, die einzige sichere inalten Katalogen erscheinende Aufschrift von der Geometrie des Boethius, vonder Richard also noch eine Stereometrie schied; nur noch die Sorbonne besaßdas Werk im Jahre 1338 (Delisle ib. 3, 68) 49 geometria Boecii. Freilicherscheinen in den Katalogen nicht selten Aufschriften wie geometria, aberes kann hierbei ja auch an die ars geometrica und an die geometria incertiauctoris (Pseudo-Gerbert) gedacht werden. Nun ist in Hss. seit saec. Xeine geometria Euclidis a Boetio in latinum lucidius translata erhalten, diein zwei 2 ) oder mehrere Bücher eingeteilt ist und sich besonders an Euklidanlehnt. Obwohl also die äußerlichen Bedingungen erfüllt sind, so ist esdoch sehr zweifelhaft, 3 ) ob dies wirklich das Werk des Boethius war, oderob wir es nicht mit einer durch Interpolationen stark entstellten Versionoder mit der Arbeit eines Feldmessers aus s. IX — X zu tun haben. Minde-stens ist der Abschnitt über die indischen Ziffern (Friedl. p. 397, 1—9)auszuscheiden. Aber das Werk ist überhaupt nicht eine Übersetzung imSinne des Boethius und leidet an großer Unklarheit und Mangel an Sach-kenntnis, zudem ist seine Überlieferung eine sehr ungleiche. 4 ) Es istdaher wohl möglich, daß ein karolingischer Philolog erst den Namen desBoethius hinzugesetzt hat. Wenigstens sind die von Cantor 5 ) vorgeführtenGründe für die Autorschaft des Boethius nicht zwingend, und die Auf-stellungen Friedleins 6 ) sind dadurch nicht umgestoßen worden. Auch dieAnsicht Cantors über die Widmung mi Patrici erscheint nach der Sachlagenicht haltbar (Beiträge S. 189), die Widmung erweckt im Gegenteil infolgeihrer Kürze nicht den Anschein von der Verfasserschaft des Boethius.
Zur ältesten Ueberlief erung s. oben. Friedlein hat benutzt: Erlang. 288 s. XI,Monac. 23511 s. XII (und 560 s. XI—XII), Boncamp. 230 s. XII, Vat. 3123 s. X, Barber. 830s. XII, Paris. 7377 C und 7185. Nicht benutzt: Vindob. 55 7 ) s. X f. 1—21. Einsidl. 358 s. Xp. 1—16. Sangall. 830 s. XI p. 283—310. Bern. 87 a. 1004 und 299 s. XI (Fragmente) 8 ). Teiledes Werkes sind in Agrimensorenhss. überliefert, wenn anders die Demonstratio artis geom.auf Boethius zurückgeht, s. Lachmann, Gromatiei latini I, 393 ff. und II, 79. Auch Auszügewerden aus dem Werk überliefert, so im Einsidl. 298 s. X p. 12—18 ,Excerptum ex eiusdemtranslationeEuclidis. Principitmt mensurae — termlmtm facientes' (= Migne 63,1307—1329B).desgl. Einsidl. 358 s. X p. 16—32. Kürzlich hat G. Ernst (Progr. v. Bayreuth 1903, s. oben,S. 12—23) die Sprache der Geometrie mit der der beiden Institutiones verglichen und beider auffälligen Diskrepanz das Werk dem Boethius abgesprochen. Allerdings hält er ander ursprünglichen Echtheit der aus Eucl. I — IV stammenden Teile fest (S. 27. 31). °) OhneZweifel'zeigt er den Weg, auf welchem man, allerdings nur unter Vergleichung sämtlicherHss., zu einem sicheren Resultat gelangen wird. Ausgabe von G. Friedlein 1867.
') Das ist insofern möglich, als der Namedes Boethius im Mittelalter typisch für den-jenigen des Mathematikers galt; die Auf-schriften in alten Katalogen, welche schlecht-hin arithmetica heißen, bezeichnen bis s.XIIIdas Werk des Boethius.
2 ) Das zweite Buch scheint allerdingsmehrfach die Demonstratio artis geometricaezu sein, deren Abfassung durch Boethiuskeineswegs sicher steht (gedruckt ed. Basil.p. 1228-1238).
3 ) Ueber die Frage handelt G. Ernst,De geometricis Ulis quae sub Boethii nominenobis tradita sunt quaestiones (Bayreuth 1903)S. 8—11.
4 ) Siehe Cantor, Vorlesungen 1, 492.
Beitrages. 194 ff.
5 ) Beiträge S. 186 ff. Vorlesungen 1. 491bis 501.
6 ) Gerbert, Die Geom. d. Boethius u. d.indischen Ziffern, Erl. 1861. Zeitschr. f. Math.u. Phys. IX, 73. 145. 297. X, 241. FleckeisensJahrb. 87,425.
7 ) Die Reihenfolge ist hier anders als inden Ausgaben und es fehlt ed. Basil. p. 1206bis 1228. Es folgt als lib.V die Arithmetik,an die sich f. 93—167 die Musik anschließt.
8 ) In der Form von Monac. 560.
9 ) E.K.Rand. Jahrb.f.klass.Phil.Suppl.Bd. 26, 434 f. glaubt, daß in Buch I Auszügeaus der echten Schrift vorliegen, während daszweite Buch als Anhang zu betrachten sei.