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Boethius. 27
Institutio musica. Das Werk ist nach der Arithmetik, aber noch vor510 geschrieben, s. Usener a. a. 0. S. 40. 47, eine Widmung fehlt. Boethiusgliederte den weitschichtigen Stoff, den er größtenteils ebenso griechischenQuellen entlehnte, in fünf Bücher. Da von dem letzten Buche nur knappneunzehn Kapitel enthalten sind, 1 ) während die Kapitelübersicht derendreißig aufführt, so geht die ganze Überlieferung auf dasselbe unvollständigeExemplar zurück. Buch I zum Teil sowie II und III ganz stammen ausverlorenen Schriften des Nicomachos von Gerasa, IV zeigt starke Be-rührungen mit Euklid, V ist ganz aus Ptolemaeus geschöpft. Zu I Quellen-analyse: 2 ) W. Mickley, De Boethii libri primi de musica fontibus, Jen. 1898.
Ueberlieferung. Auch dieses Werk war s. IX mehrfach vorhanden: Reichenau (Becker10,2), Murbach (Straßb. Philvers. 279, 213), Bibl. incogn. (M.G. Epist.6, 197,38). Eine ver-kürzte Bearbeitung befindet sich im Bern. A. 50 s. XV f. 205 a—213 b unter dem Titel MusicaBoetii abbreviata per C. de Muri (ob Conrad von Mure?). Benutzt von Friedlein: BambergHJ. N. 19 s. IX. Monac. 14523 s. X. 6361. 18478. 18480 s. XL 367. 14601 s. XII. Paris 7181.7200 s. X, 7221. Nicht benutzt: Monac. 14272 s. X—XI (mit Scholien). Einsidl. 298. 358 s. X.Colon.LXXXVII s.XI. Ausgabe von Gr. Friedlein, Lips. 1867, Teubn. Uebersetzung: O.Paul,Des Anicius Manl. Sev. Boetius fünf Bücher über die Musik usw., Leipz. 1872. Zur Benutzungbei späteren Musikschriftstellern s. den Nachweis bei W. Brambach, Die Musiklitteraturdes Mittelalt. bis z. Blüthe d. Reichenauer Sängerschule S. 3 (besonders Aurelian, Regino,Hucbald, Adalbold).
Geometria. Daß Boethius ein Lehrbuch über Geometrie verfaßt hat,
ist nach dem doppelten Zeugnis Cassiodors sicher: Inst. saec. (Migne 70,
1213 D ex quibus Euclidem translatum in Eomanam linguam idem vir
magnificus Boetkis dtdit und Var. 1, 45 Translationibus enim tuis . . . geo-
metricits Eudides audiuntur Ausoniis. Und früh wird auch ein solches Werk
in den alten Katalogen genannt, nämlich s. IX in Reichenau (Becker 6, 356)
de geometria lib. III; ib. 10, 2 et libri Boetii geometricorum, in Konstanz
(B. 15, 336) et Boecii geometria, in Murbach (Straßb. Philvers. 279)
Boecius: (211) Geometrica über I. Höchst merkwürdig aber sind einige
Angaben, die sich bei Richard de Fournival finden. Er nennt nämlich
(Delisle, Le cab. des mscr. 2, 526) 39 Eudidis geometria et arithmetica
ex commentario Boetii. 3 ) 40 Eiusdem stereometria ex eiusdem Boetii commin-
tario. 41 Item Theodotii Über de speris ex commentario Boetii. 44 Anitii
Manlii Severini Boetii Über de agrimensüra. Hier erscheinen mindestens
zwei Werke, die sonst nirgends genannt werden, und es muß dabei vor
allem betont werden, daß Richard stets mit großer Genauigkeit seine
Büchertitel angibt. Sollte Boethius wirklich ein Werk de agrimensüra
verfaßt haben? Es handelt sich aber wahrscheinlich um die Demonstratio
artis geometricae. Der Theodotius ist natürlich Theodosius von Tripolis.
dessen Sphärik durch Gerhard von Cremona im 12. Jahrhundert ins Lateinische
übersetzt wurde. 4 ) Ob Richard den Gerhard mit Boethius verwechselt
') Auf späte Quelle geht wohl die Nach- l selbst,
rieht bei Richard v. Fournival (um 1250; De- 3 ) Hiermit stimmt am meisten die Auf-
lisle, Le cab. des mscr. II, 526) zurück ,49 Schrift im Vindob. 55 s. X Incipiunt libri Ani-
Sepe dicti Boetii Über musice nondum ab eo j cii Manlii Severini Boetii artis geumetricae et
perfectus Yialorum invidia'. i arithmeticaenum.VabEuelidetranslateegreco
' 2 ) UeberNicomachus alsQuelle S.Mick- I inlatiuum.
leyS. 8—23. Die allgemeine Einleitung des ' 4 ) Siehe MCantor,Vorlesungen 1. 346f.
1. Buches stammt nach den Darlegungen Mick- 603. 779. Das Werk des Theodosius war auch
leys (S.23—29) aus Plato und Aristoteles und 1338 in der Sorbonne (Delisle 3.90) und 1273 in
aus Varros Quelle Theophrast, nicht aus Varro Cuenca(Wien. SB.125, III, 68 f.N92)vorhanden.