Einleitung.
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keit bisher so emsig, allerdings auch schulmeisterlich betrieben wordenals die Grammatik. Hatten doch erst vor kurzem Priscian und seineSchule Bedeutendes geleistet! Und beider immer größer werdenden Kluftzwischen gesprochener und Schriftsprache, bei dem Eindringen vielfältigerBarbarismen, bei der zunehmenden Verschlechterung der Orthographieglaubten sich doch immer wieder Lehrer dazu berufen, eine neue Ars zuschreiben, wenn sie auch nur kümmerliche Auszüge aus früheren Lehr-büchern bot. So finden wir bei Westgoten und Angelsachsen einen ziemlichregen grammatischen Betrieb, der eine nicht unansehnliche Menge vonWerken der früheren Zeit neu zu bearbeiten oder zu gruppieren sucht.Und dabei werden diese älteren Schriften vielfach abgeschrieben, so daßder Bestand der bischöflichen Bibliothek von York aus dem 8. Jahrhundertschon reichhaltig zu nennen ist. 1 ) Und auf verwandte Bestrebungen derAngelsachsen ist es wohl zurückzuführen, daß manche von den alten Er-klärungen zu Dichtwerken, wenn auch in verkürzter Gestalt, die Zeit über-dauert haben, so daß man in der karolingischen Periode an eine Weiter-führung dieser Arbeiten hat gehen können. Ferner hängt mit dem Nieder-gang des Latein und der Abnahme des Verständnisses des Griechischendas reichliche Aufkommen von großen Glossaren zusammen, in deneneinerseits neben Resten alter Gelehrsamkeit die schulmäßige Erklärungder Wörter sich breit macht und andrerseits griechische Wörter ihrelateinische Übersetzung finden. In diese meist alphabetisch angelegtenVerzeichnisse wurde Lexikographisches, Grammatisches und Etymologischesmeist mit Belegen aus Poesie und Prosa hineingetragen. Ihr Umfangwuchs mit der Zeit infolge der Bibelübersetzungen und der vielen sprach-lich erklärenden Werke der Kirchenväter, besonders des Hieronj^mus, undschon in unserer Periode gelangen wir zu sehr ausführlichen und wichtigenArbeiten, auf welchen dann die großen lexikographischen Werke desspäteren Mittelalters fußen. Hingegen scheinen Wörterbücher zu einzelnenSchriftstellern, die man für den Schulgebrauch angelegt hatte, nicht fort-gesetzt worden zu sein, da ähnliche Arbeiten erst wieder viel später be-gegnen. Der ungemein weit verbreitete Gebrauch poetischer Darstellungund die niemals unterbrochene Pflege der Poesie machten aber in derSpätzeit das Aufkommen von Regelbüchern und Poetiken notwendig, diezum Teil in die Grammatiken verarbeitet wurden wie bei Julian von Toledo,zum Teil aber als abgesonderte Lehrbücher erschienen. Als besonderswichtig sind hier Bedas De arte metrica und Aldhelms Metrik zu nennen,die für ihre Zeit und für später tonangebend waren, ohne daß allerdingsbeide eine vollständige Lehre über die Dichtung gegeben hätten.
Hieran sind nun noch einige Bemerkungen über die Dichtung an-zuschließen. Das alte Epos war längst christlich geworden. Wohl hatte
') Ueber die Bibliothek von York (BeckerN.3) s. M.Roger, L'Enseignementetc.S.316f.Ueber die den Angelsachsen bekannten Werkealter Grammatiker s. daselbst S. 328 f. Ueberdie grammatischen Werke der Angelsachsenselbst S. 332 ff. — Manche grammatischen
Schriften, die man im Mittelalter noch besaß,smduntergegangen.SohattemanvonPhilemon,dem Lehrer des Kaisers Maximinus, in Monte-cassino s. XV (Bibl. Casinensis 1, LXXXVI) nocheinen Liber Philemonis de proprietate sermo-nis. Incipit Adipiscitur.
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