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1 (1911) Von Justinian bis zur Mitte des zehnten Jahrhunderts : mit Index
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18 Geschichte der lateinischen Literatur des Mittelalters. Erster Teil.

Sammelwerk verbunden worden sind. Diese und andere Auszüge aus demgroßen Werke mögen dem 7. und 8. Jahrhundert genügt haben, bis auchPlinius, wie so viele andere Autoren, durch die Angelsachsen, die ihngekannt haben, dem Kontinent wieder bekannt wurde. Das geschah aberzu einer Zeit, als zwar infolge von Isidors und Bedas Werken die Kennt-nisse der Vorzeit noch nicht ganz abgestorben waren, aber die einfacheBeobachtung der Natur schon vollständig durch die weite Verbreitung desallegorisierenden und moralisierenden Fabelbuches Physiologus gehemmtwurde, das im Orient entstanden war. Die schlichte Naturbeobachtungzeigt sich etwa noch in den Rätseln eines Aldhelm, das aus alter ZeitWissenswerte entnahm man aber fortan am liebsten den Stellen aus Plinius,Solin und Isidor, an denen Wahrheit mit Dichtung gemischt ist, und diesedurchsetzte man mit physiologischer Betrachtungsweise. Überhaupt aberblieb die christliche Welt in unserer Periode aus naheliegenden Gründenden Naturwissenschaften möglichst fern, und die ersten Ansätze zu neuer,selbständiger Behandlung datieren erst aus dem 9. Jahrhundert; und siesind nicht einmal ganz frei von Vermischung mit anderem. Nämlich schonin alter Zeit erfreute sieh die praktische Verwertung naturwissenschaft-licher Kenntnisse in der Schriftstellerei über den Landbau besonderer Teil-nahme, und diese scheint geblieben zu sein, da sonst kaum die einschlägigenSchriften von Cato, Varro, Columella und Palladius erhalten worden wären;noch tritt im 17. Buche von Isidors Etymologien die Wichtigkeit diesesLiteraturzweiges in das gebührende Licht.

In der Schriftstellerei über Medizin 1 ) waren die Römer, soweit essich nicht um volkstümliche Arzneibücher handelte, völlig von den Griechenabhängig gewesen. Diese Abhängigkeit blieb jetzt erst recht bestehen,seit die germanischen Nationen das Reich zersprengt hatten; denn diesekonnten hier am wenigsten leisten. Und es ist überhaupt bezeichnendfür die spätere Zeit, daß sich von der römischen Literatur in der Medizinfast nur die von krassem Aberglauben zeugenden Arzneibücher ins Mittel-alter gerettet haben, während z. B. von Celsus nur eine einzige Handschriftnoch vorhanden war, die die Mutter aller vorhandenen wurde. Nur wurdenin später Zeit neue Übersetzungen aus der unerschöpflich reichen medi-zinischen Literatur der Griechen veranstaltet und durch diese sind einigeOriginalwerke von Galen und Hippokrates den karolingischen Gelehrtenbekannt geworden.

Aber durchaus im Vordergrund des Interesses stand die Beschäftigungmit der Grammatik und verwandten Fächern. Sie war und blieb ebenzum Verständnis der Sprache und zur Erklärung der Bibel und Kirchen-väter unbedingt nötig, auch wenn Gregor der Große ihr Studium für un-statthaft erachtete. Auch war keine Seite der wissenschaftlichen Tätig-

] ) Medizinische Schriften in Uebersetzung (James, The anc. libr. etcS.335N.1193), da-

werden im Mittelalter häufig abgeschrieben, i selbst auch von Oribasius S. 337 N. 1206 und

besonders Schriften des Hippokrates und Galen. | S'.-345N. 1261. Viel älter sind die Aufschriften

Von Soranus finden sich Aufschriften s. XIII I zu Oribasius in Murbach s. IX (Straf3b. Phil.-

in Beziers (Delisle, Le cab. des mscr. 3, 505 | vers. S. 271 N. 298), Eginond s. XI (Arch. v.

N.39), Canterbury(Edwards,Memoirs of libr. \ Nederl. Kerkgeschied. 2,14) undPeterborough

1,163N.211) und s.XV in Canterbury St.Aug. ! s. XIV (Serap. 12, Intell. 148.162).