Einleitung.
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Aber die Renaissance der wissenschaftlichen Bildung in England hatauch noch andere Folgen gehabt. Sie kam nämlich dem in fast völligeUnwissenheit versunkenen und arg verweltlichten Klerus des Franken-reiches zugute, der wohl nur durch die Bemühungen britannischer undirischer Mönche das wenige von Bildung hatte retten können, nämlichdaß er gerade noch schreiben und lesen konnte. Denn nur ganz vereinzelterhebt sich einmal der Verfasser eines Heiligenlebens zu einer Schreibart,die über das gewöhnliche Maß hinausgeht. Nachdem aber die Angelsachsenbegonnen hatten, ihre Romreisen zu machen, kam es doch zu einer ge-wissen Verbindung dieser geistig unendlich höher stehenden 1 ) Germanenmit der gallofränkischen Kirche und zwar vielleicht deshalb, weil sich imFrankenreiche Stiftungen Columbans und auch andere irische Klösterbefanden, mit deren Insassen die Angelsachsen doch ein gewisses Bandverknüpfte. Und in den Gebieten der Ostfranken traten jetzt die Angel-sachsen neben den Iren als Missionsprediger auf und begründeten diechristliche Kirche auf dem rauhen Boden germanischer Wildnis. Sie warendie Vorläufer von Bonifaz, der dann im 8. Jahrhundert die einzelnenGründungen zusammenfaßte und in den ostfränkischen Herzogtümern Landes-kirchen errichtete, die er, wie seine reichhaltig erhaltene Korrespondenzlehrt, mit der römischen Kirche fest zu verbinden unablässig bemüht ge-wesen ist. Einer jener irischen Missionare, Fergil 2 ) oder Feirgil, der inSalzburg Abt und später Bischof wurde unter dem latinisierten NamenVirgilius, wird in einer alten irischen Aufzeichnung „der Geometer" ge-nannt, hat also in naher Verbindung mit den freien Künsten gestanden. 3 )Aber auch sonst lassen sich eine ganze Reihe irischer Kulturzentren aufdem Kontinent nennen, die in der Geschichte der Bildung keine unrühm-liche Rolle spielen, man denke an Luxeuil, Bobbio, St. Gallen und Würz-burg. Freilich bedeutete jede dieser Stiftungen nur etwas an und für sich,es fehlte der Zusammenhang, die Gemeinsamkeit in der Tätigkeit. Deshalbmußten sich die Iren auch im Frankenreiche durch die Angelsachsen dasHeft aus den Händen winden lassen, nur im Langobardenreiche zu Bobbiound Pavia saßen sie in festeren Positionen. Ihnen gegenüber sind dieAngelsachsen die großen Organisatoren, vor deren bedeutsamer Tätigkeitsie auch auf dem Kontinent fast lautlos verschwinden, freilich nicht ohnenachhaltige Spuren zu hinterlassen. Darunter gehört besonders die irischeSchrift, die frühzeitig schön gerundete und leserliche Buchstaben zeigt 4 )
J ) In anderer Beziehung tadelt Bonifatiusseine Landsleute nicht wenig, vgl. ep. 78 (Epist.3, 354) Perpauce enim sunt civitates in Longo-hardia vel in Francia aut in Gallia, in quonon sit adultera vel meretrix generis Anglo-rum und p. 355, 33 hoc enim malum (seil.ebrietas) speciale est paganorum et nostrae gen-tis. Hoc nee Franci nee Galli nee Longobardinee Romani nee Graeci faciunt.
s ) Fergil an geometer dbb Achadbö deccsanGermäinne san30bliadain diu episcopöid;nach Zimmer Neues Archiv 17,211: Fergilder Geometer, Abt von Aghabon, starb in
Deutschland im 30. Jahr seiner Bischofsweihe.
3 ) Ueber Virgil und andere Iren im Fran-kenreiche vgl. Wattenbach 7 1, 128—140. Derneue Name Virgil ist jedenfalls mit dem desrömischen Dichters in Verbindung zu bringen,da er sonst als kirchlicher Name selten genugauftritt.
4 ) Die irische Rund- und Spitzschrift s.bei F. Steffens, Lateinische PaläographieS. XIV und tab. 25.42.47. Zur angelsächsischenSchrift s. Palaestra Bd. 43. Im allgemeinenüber die scriptura Scottica und scriptura tunsas.L.Traube, Münch.Sitzber.l900S.529-537.