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1 (1911) Von Justinian bis zur Mitte des zehnten Jahrhunderts : mit Index
Entstehung
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Einleitung.

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der Bekanntschaft mit den alten Dichtern auf, 1 ) und Ähnliches ist der Fallmit den neuentdeckten Gedichten des Cellanus, des Abtes der Schotten-kolonie Peronne, und mit der Vita Columbae des Adamnanus, der viel-leicht die Auszüge aus Philargyrius verfaßt hat; 2 ) dieser steht allerdingsmöglicherweise schon unter dem Einfluß von Theodor und Hadrian, vondenen die große Anregung auf die Angelsachsen ausging. Gemeinsam istübrigens diesen irischen Schriftstellern eine sehr starke Abweichung vonder lateinischen Orthographie, 3 ) wie sie allerdings ähnlich sich in den auffränkischem wie auf westgotischem Boden entstandenen Schriften zeigt undauch bei den Angelsachsen gefunden wird. Vielleicht hängt dies damitzusammen, daß in jenen frühesten Zeiten bei den Iren sich nirgends An-läufe zu grammatischen Arbeiten zeigen, 4 ) daß es sogar an Glossen inden Handschriften fehlt; erst im 8.9. Jahrhundert gaben sich die Irensoweit mit Grammatik ab, daß sie sich an Kompilationen des hier über-reich überlieferten Stoffes heranwagen. Das hatten aber die Westgotennoch im 7. Jahrhundert getan. Und auch sonst sind die Iren den West-goten keineswegs überlegen, denn wenn sich auch in der spanischen undirischen Literatur des 6. und 7. Jahrhunderts vereinzelte Spuren vonKenntnis des Griechischen zeigen, so ist doch damit keineswegs erwiesen,daß man in beiden Ländern etwa noch regelmäßig Griechisch trieb:weder Columban noch Isidor, weder Cummian noch der Brite Gildas habenGriechisch gekonnt. Es ist höchstens die Annahme gestattet, daß dieIren wie die andern Nationen des Westens griechisch-lateinische Glossarebesaßen und hieraus ihre äußerst dürftige, aber desto prunkender an-gewandte Kenntnis der fremden Sprache holten. 5 ) Auch in dieser Beziehungsollte sich erst durch die Lehrtätigkeit der Griechen Theodor und Hadrianin England ein Umschwung vollziehen, der sich auch auf die Iren aus-dehnte.

Jedenfalls haben die Iren das Verdienst, die Kirche in den Beichender Angelsachsen begründet zu haben, und von ihnen erbat sich KönigOswald von Northumbrien einen Bischof; dieser, namens Aidan, begründetedas in der Folge so wichtige Kloster Lindisfarne und verpflanzte die in

1 ) Vgl. M. Roger a. a. 0. S. 259.

2 ) Daß die Iren sich besonders gern mitErklärung der alten Grammatiker befaßten,wird später ersichtlich werden. Hier sei aufdas Corpus von Scholien zu Donat, Servius,Paulus, Beda u. a. im Einsidl. 32 s. XI hin-gewiesen; vgl. Hertz bei Keil GL. 2, XXIVu. n. 109.

3 ) Zur Orthographie irischer Handschriftens. H. Zimmer, Glossae Hibernicae p. XII. L.Traube, MG. Poet. lat. 3, 795. v. Winter-feld ib.4,178n.4. Hellmann, Sedulius Scot-tus S. 118 ff. Ars Malsachani ed. M. Rogerp. XVIII ff. Für fränkische Autoren vgl. be-besonders den kritischen Apparat der AusgabenGregors von Tours, Fredegars und der GestaFrancorum. Zur westgotischen Orthographies. Fr. Vollmer MG. Auct. ant. 14, 445 ff., zurangelsächsischen K. Koeberlin, Eine Würz-

burger Evangelienhs. S. 4f., und Manitius,Ztschr. f. Kirchengesch. 26, 235.

4 ) Siehe M. Roger a. a. 0. S. 264f.

5 ) Das scheint mir M. Roger a. a. 0.S. 268272 evident nachgewiesen zu haben;die Aufstellungen von Zimmer, Pelagius inIrland S. 5ff. und von W. Schultze a. a. 0.S. 193 und 235 f. können hiergegen nicht mehrgelten. Wichtig hingegen ist die Vermutungvon H.Zimmer (Nennius vindicatus S.238ff.),daß der erweiterte Serviuskommentar zu Ver-gil irischer Abkunft sei, freilich kann er erstaus etwas späterer Zeit stammen. H. Stein-acker, Festschrift Theodor Gomperz S. 340bringt die griechischen Kenntnisse der Irenin unmittelbaren Zusammenhang mit den An-regungen, die von der durch die Päpste inRom begründeten Griechenkolonie ausgingen.