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1 (1911) Von Justinian bis zur Mitte des zehnten Jahrhunderts : mit Index
Entstehung
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Einleitung.

4. und 5. Jahrhundert mit der gallischen nach Umfang und Inhalt nichtmessen, aber Spanien hatte doch einen Juvencus, einen Prudentius undeinen Orosius hervorgebracht. Die eigentliche geistige Entwicklung sollteerst mit der Konsolidierung des Westgotenreiches beginnen, dessen Königeim 6. und besonders im 7. Jahrhundert den literarischen Bestrebungengroßes Interesse entgegenbrachten, obwohl diese allerdings meist von derrömischen Bevölkerung ausgingen; ja Könige wie Sisebut und Chindasvinthstehen sogar mitten im literarischen Treiben der Zeit. Der Gebrauch dergriechischen Sprache war zwar dem spanischen Klerus abhanden gekommenund es läßt sich hiervon kaum mehr entdecken als zu gleicher Zeit imFrankenreiche. Aber mit welchem Interesse werden hier literarischeDinge gepflegt, wenn sie schließlich auch nur dem Unterricht in der Schulezugute kamen! Zu einer Zeit, als im Frankenreiche die merowingischenHofschulen kaum noch bestanden oder doch nur ein äußerst kläglichesDasein fristeten allerdings suchte König Chilperich das lateinischeAlphabet durch Buchstaben für ö, ae, the und uui zu bereichern 1 ) und schriebsogar theologische Abhandlungen und Gedichte, brachte Isidor von Sevilladas gesamte alte Wissen in seinen noch viel frühere Gelehrsamkeitbergenden Auszug der Etymologien, verfaßte gleichfalls aus guten Quelleneine physische Geographie und setzte die christliche Literaturgeschichtedes Gennadius fort. Wenig später bekundete Eugenius von Toledo inseinen metrisch vielgestaltigen Gedichten ein nicht geringes Interesse ander Poesie, obwohl hierin ein gewisses didaktisches Element die Haupt-rolle zu spielen scheint. Und gegen Ende des 7. Jahrhunderts verfaßteJulian von Toledo an der Hand von nicht wenigen älteren Werken undmit Benutzung der zeitgenössischen Dichtung eine ziemlich ausführlicheGrammatik. Hierzu kommt die sehr ausgebreitete eigentlich christlicheLiteratur Spaniens in diesem Zeitraum, die klar erkennen läßt, daß dievon den Kirchenvätern gegebenen literarischen Anregungen in Spanien aufeinen recht fruchtbaren Boden gefallen waren.

Aber nicht nur in dieser südlichen, sondern auch in der nördlichenWelt des Westens waren geistige Kräfte rege geblieben oder vielmehrdurch Berührung mit dem Christentum erweckt worden, die trotz ihrerinsularen Abgeschiedenheit und späteren Vereinzelung für das partielleFortbestehen und auch Wiederaufleben der alten Bildung nicht wenig ge-leistet haben. Nämlich bei den Iren, 2 ) die nach dem Sprachgebrauch desfrüheren Mittelalters Schotten genannt werden; erhalten blieb diese Be-zeichnung bei dem nördlichen Teil Britanniens, der von den Iren starkbesiedelt worden ist. Die römische Besitzergreifung Britanniens war auchim Süden wohl nie eine vollständige gewesen, und nur soweit hatte sichdie römische Machtsphäre in dem Lande erstreckt, als die Macht derVerwaltungsbeamten und der Legionen fühlbar war. Daher gelangte auf

') Gregor. Tur. hist. Franc. 5,44 p. 236 f.;vgl. 6,46. Fortunati Carm. 9, 2, 110. SeinHymnus auf den hl. Medardus hat sicherhalten, Neues Archiv 25, 407, hrsg. vonv. Winterfeld, Ztschr. f. deutsch. Altertum

47, 73 ff.; der Versbau ist völlig verwildert.2 ) Siehe für diesen Abschnitt besondersM. Roger, L'enseignement des lettres clas-siques S.207273; außerdem W. Schultze,Zentralbl. f. Bibliothekswesen 6, 185. 233.