292 Zehntes Kapitel. Die Entwickelung des Opferrituals. Feueropfer und Sühnopfer.
einem Leuchter und dem heiligen Baum, der mit einem Stern oder einem zu-nehmenden Monde gekrönt ist, genau und sicher zu unterscheiden. Auch diehebräischen Altarsäulen standen mit dem heiligen Baum in Zusammenhang(Zach. 4, 3), wie sich aus ihrer Verzierung mit Granatäpfeln ergiebt. Dasgleiche gilt von dem goldenen Leuchter, bei dem das Motiv der künstlerischenVerzierimg vom Mandelbaum entnommen war (Exod. 37, 17—22).
Es erscheint kaum glaublich, dass die riesigen Säulen des salomonischenTempels, die — wenn die Masse nicht übertrieben sind — 27 Fuss hochwaren, wirklich als Feueraltäre dienten. Wenn es aber geschah, so muss manannehmen, dass das Feuer mit dem Fett der Opfer genährt wurde. Und viel-leicht ist dies eine weniger gewaltsame Annahme, als die, dass in ihnen dieeinzelnen Züge eines semitischen Altarkandelabers in bedeutungsloser Weisewiedergegeben wurden. Jedenfalls kann nicht bezweifelt werden, dass eineForm des Feueraltars bei den Phöniciern und Assyrern eher ein Leuchtturmals ein Herd war; und da diese Forin der alten Spitzsäule viel näher kommt,als die breite Plattform, die geeignet war. ein Brandopfer zu tragen, so ver-mute ich, dass sie als die älteste Form des Feueraltars betrachtet werden muss.Das heisst dann aber: der feststehende Feueraltar wurde dem heiligen Steinanfangs als eine Veranstaltung zur Verbrennung des Fettes von gewöhnlichenOpfern hinzugefügt, zu einer Zeit, da die Brandopfer noch auf einem Scheiter-haufen verbrannt wurden. Wenn das Wort „Ariel" „Herd des El" ursprüng-lich einen solchen Säulenaltar bezeichnet, so lässt sich damit vielleicht einegrosse exegetische Schwierigkeit in IT. Sam. 23, 20 heben; denn dann lässt sichder überlieferte Text so verstehen: die Heldenthat des Benaja bestand darin,dass er die beiden Feuersäulen am nationalen Heiligtum der Moabiter um-stürzte. Auf der Inschrift des Mesa erscheint Z. 12 ein Ariel als irgend einDing, das von seiner Stelle fortbewegt werden kann. Zu vergleichen sinddamit auch die beiden Säulen des tyrischen Baal, von denen eine in der Nachtleuchtete 002 . Es mag bemerkt werden, dass damit auch die Annahme vonGrotius an Wahrscheinlichkeit gewinnt, dass die liammänim in Jes. 17, 8; 27, 9die uupeta sind.
Endlich mag noch darauf hingewiesen werden, dass Arnos 9, 1 verständ-licher wird, wenn der Altar zu Bethel eine mit einem Kapital gekrönte Säulewar, die eine Schale trug wie die zu Jerusalem. Dann besagt die Stelle, dasses der Altar selbst ist, der zertrümmert wird, wie es der Zusammenhang unddie parallele Aufforderung Arnos 3, 14 zu fordern scheinen: „Schlage an denSäulenknauf, dass die (auf ihm stehenden) Schalen erschüttert werden undzerschmettere sie auf das Haupt aller ihrer Verehrer" 003 .
Die Heiligkeit des Fettes der Nieren.Wir können nun zu den gewöhnlichen Brandopfern übergehen, bei denen
Kypros, Tafel 82, 8. Ausser den hier beigegebenen assyrischen Denkmälern vergl. dieähnlichen Darstellungen auf Gemmen der Collection deClerq, Tafel 29, Fig. 301.308. Tat'. 34, 373. 385 und die zahlreichen Denkmäler bei Ohnefalsch-Richter,Tafel 69 u. 79.]
662) Her od. II, 44.
663) Der Altar des Elias, I. Kön. 18, scheint nicht ein Aufbau von Steinen zu sein,sondern ein durch zwölf errichtete Steine und einen Graben bezeichneter heiliger Kreis.