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Die Religion der Semiten
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290 Zehntes Kapitel. Die Elitwickelung des Opferrituals. Feueropfer und Sühnopfer.

Pentateuch dem Mose beilegt, nicht einsah, erklärt die Sachlage nicht ganz.Ich sehe keinen andern Weg, der Schwierigkeit zu entgehen, als die An-nahme, dass der eherne Altar in II. Kön. 16 mit einer der zwei, Jächln undBo^as genannten Säulen identisch ist. In alter Zeit bestand überhaupt keinUnterschied zwischen einem Altar und einem heiligen Stein oder Pfeiler, unddie ehernen Säulen sind einfach die alten heiligen Steine, die uns oft auchpaarweise begegnen, in Metall umgestaltet. Ganz ähnlich sind nach Strabo oa8die ehernen Säulen des Herakles bei Gades, die zwölf Fuss hoch waren, dieStätte, wo die Schiffer Opfer darbrachten. Natürlich ist ein Altar dieser Ge-stalt eigentlich nur mit der alten, feuerlosen Form des Opfers vereinbar. Solange aber die Brandopfer noch selten waren, war es nicht nötig, einen fest-stehenden grossen Opferherd zu haben; es war ausreichend, von Zeit zu Zeitin der Mitte des Hofes einen Holzstoss zu errichten. Sicher ist, dass inIL Kön. 16 nur von einem ehernen Altar die Rede ist, der zur Besprengungmit dem Opferblute dient; aber es ist verständlich, dass sich dieser Brauch nurauf eine der beiden Säulen beschränkte.

Ich möchte deshalb annehmen, dass die Neuerung in der Errichtungeines dauernden Altarherdes und in der Einführung der Bestimmung lag,dass dieser neue Altar bei gewöhnlichen Fällen sowohl für das Blutritual wiefür das Feueropfer dienen sollte. Man begreift dann auch die ausführlicheBeschreibung des Rituals an dem neuen Altar; denn die von Ahaz getroffeneBestimmung war es, die seit seiner Zeit am Heiligtum zu Jerusalem Gesetzwar. Ich empfinde immerhin, dass in betreff der Verbrennung des Fettesvon den selämlm, die auch in der vorköniglichen Zeit in Israel in Gebrauchwar (I. Sam. 2, 16), noch eine Schwierigkeit bleibt. Bei grossen Festenwurde das Fett der gewöhnlichen Opfer mit den Brandopfern zusammenauf dem Pflaster des Tempelhofes verbrannt (I. Kön. 8, 64); was jedoch beianderen Gelegenheiten mit ihm geschah, lässt sich nicht so leicht sagen. Be-achtenswert ist jedoch, dass bei den Kapitalen der ehernen Säulen die Einzel-heiten dieselben waren wie bei den ungeheuren Leuchtern oder Feuertürmen.Sie trugen Schalen (I. Kön. 7, 41, vielleicht auch Arnos 9, 1) wie die auf demgoldenen Leuchter bei Zacharja (4, 3); sie hatten Gitter, wie solche am Altar-herde waren. Sie scheinen demnach nach dem Vorbilde solcher Altarleuchtergebaut zu sein, wie wir sie auf phönicischen Denkmälern dargestellt finden 6B0 .Die Aehnlichkeit mit einem Leuchter, die uns bei der Beschreibung der he-bräischen Pfeiler auffallt, ist auch bei den beiden gesondert stehenden Pfeilernzu bemerken, die auf Münzen vor dem Tempel zu Paphos stehend dargestelltwerden 000 . Aehnliche Pfeiler, vor denen Anbetende stehen, die irgend einecultische Handlung verrichten, finden wir auf assyrischen Cylindern darge-stellt 001 . Bei den meisten assyrischen Bildern ist es nicht leicht, zwischen

658) Strabo, III, 5, 5.

659) CIS. I. PI. 29. PerrotetChipiez, Histoire de l'art dans l'antiquite.Tome III, Fig. 81 ff. [s. Fig. 21.

660) [Die Deutung der Säulen als Opferpfeiler findet ihre Bestätigung durch dieDarstellung auf der ganz ähnlichen kyprischen Münze, die ich nach Guigniaut,Religions de Tantiquite, IV, 2. Taf. 54, fig. 205 mitteile (s. Fig. 4 vergl. mit Fig. 3).Aus den Opferschalen, die auf den Pfeilern stehen, schlagen die Flammen empor.]

661) Abbildungen davon z. B. hei M e n a n t, Recherches sur la glyptique OrientaleII, p. 56, Fig. 46 u. 47. [s. Fig. 5 und 6. Aehnliche Opferpfeilcr auf der grossen ky-prischen Münze bei Perrot und C h i p i e z , III, p. 120. 0 h n e f a 1 s c h - E i c h t e r,