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Die Religion der Semiten
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Darbringung des eignen Blutes. 247

von den persischen Geweihten beim jährlichen Gedenkfest an das Martyriumdes Hasan und Husein geschieht 644 . Ich habe an einem anderen Orte dargethan,dass die allgemeine Ausbreitung dieses Brauches bei den Aramäern durch dassyrische Verb um ethassaf anflehen", eigentlichsich schneiden" bezeugtwird 546 .

Die allgemeine Auffassung solcher Bräuche ist in neuer wie alter Zeitdie gewesen, dass das Vergiessen von Blut, ohne das Leben zu nehmen, einErsatz für das Menschenopfer sei 540 , eine Deutung, die sich durch ihre Ein-fachheit empfiehlt und für manche Fälle wahrscheinlich das Richtige trifft.Doch ist sie als eine allgemeine Erklärung der Darbringung des eignenBlutes von seifen eines Bittenden nicht völlig ausreichend. Das Menschen-opfer wird nicht zu Gunsten des Opfers, sondern unter Preisgebung des Opferszu Gunsten der opfernden Gemeinschaft dargebracht; das Vergiessen des eignenBlutes ist hingegen in manchen Fällen ein Mittel, um sich selbst der Gott-heit zu empfehlen. Ferner giebt es eine weit verbreitete Art von Riten, dieunter barbarischen Völkern herrschen, bei denen das Vergiessen von Bluteinen Teil der Einweihungsceremonie bildet, durch die Jünglinge im Alter derReife oder nachher in den Stand der Männer aufgenommen und zum vollenAnteil an den Rechten und dem Cultus der Gemeinschaft zugelassen werden.In beiden Fällen muss der Zweck der Ceremonie sein, zwischen dem Verehrerund seinem Gott ein Blutband durch ein stärkeres Mittel anzuknüpfen oderzu befestigen, als es die gewöhnlichen Bräuche, das Streicheln oder Küssendes heiligen Steines, sind. Zu diesem Zweck wird das Blut eines Menschenauf dem Altar dargebracht, oder es wird dem Bilde des Gottes appliciert undhat genau die gleiche Wirkung wie bei den Bräuchen des Blutbündnisses 547 .

Eine starke Bestätigung findet diese Auffassung durch die gleichen Bräuche,die unter manchen Völkern bei der Trauer um verstorbene Stammesgenossenbeobachtet werden. Das hebräische Gesetz verbot den Trauernden, sich zuEhren des Toten zu ritzen oder zu stechen (Lev. 19, 28. 21, 5. Deut. 14, 1),offenbar weil es diesen Brauch, der trotzdem bis an das Ende des alten Kö-nigtums allgemein üblich war 648 , mit heidnischen Riten verknüpfte. Bei den

544) Es scheint dies ein Ueberrest der alten Riten des Anaitis-Cultus zu sein; dennähnliche Bräuche im Cultus der Bellona in Rom zur Kaiserzeit waren aus Kappadocienentlehnt und zwar offenbar aus einer Form des Anaitis-Cultus (vergl. Röscher, s. v.).Dieser war wiederum eng mit dem Cultus der syrischen Göttin verwandt und scheintsich unter semitischem Einfluss sehr weit ausgebreitet zu haben. Vergl. meinen AufsatzCtesias and the Semiramis Legend" in English Histor. Review, April 1887.

545) Journal of Piniol. XIV, 125. cf. Nöldeke, ZDMG. 40, 723. [Wellhausen,Heidentum, 2. Aufl. p. 126.]

546) S. Pausanias, III, 16. 10 über die blutige Geisselung der spartanischen ephebiam Altar der Artemis Orthia [s. Preller-Robert, Griech. Mythologie I, p. 308 f.].Zu vergleichen Euripides, Iphig. Taur. 1458 ff. s. auch Bourke, Snake Dance ofthe Moquis of Arizona, p. 196, und besonders Wilken, a. a. 0. p. 68 ff.

547) Dass das Blut auf den Altar oder an den Fuss desselben fliessen muss, wirdin gewissen Fällen ausdrücklich bezeugt, z. B. im spartanischen Cultus der ArtemisOrthia und in manchen mexikanischen Riten der gleichen Art. Sahagun, NouvelleEspagne (Französ. liebers. 1880) p. 185. In der Schilderung des Bellona-Cultus bei Ti-bull, I, 6 v. 4550, wird das Bild der Göttin mit dem Blute besprengt (Sanguine eteffuso spargit inulta deam"). Die Kirchenväter fügen noch die Angabe hinzu, dass dieTeilnehmer an dem Ritus gegenseitig ihr Blut tranken.

548) Jer. 16, 6. Die Trauerfeier, die Jer. 16, 7 erwähnt (vergl. Hos. 9, 4), und diebezweckt, die Leidtragenden zu trösten, ist ihrem Ursprünge nach ein Fest der Gemein-schaft mit dem Toten. Vergl. Tylor, Primitive Culture, II, 26 ff. Dieser Akt der Ge-