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Die Religion der Semiten
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Mystische Tieropfer. 225

dass Jakob, der Zicklein für Gazellen unterschiebt, das Fell derselben anArmen und Nacken trägt. Die Ziege, die Her als ein Ersatz für das vondem Jäger Esau dargebrachte Wild erscheint, war eines der wichtigstenhebräischen Sühnopfer, wenn nicht das wichtigste von allen. Auch in Ba-bylonien und Assyrien nimmt sie unter den Opfern eine aussergewöhnlicheStellung ein 406 .

Was im gewöhnlichen Leben veraltet ist, lebt oft noch in Ausdrückenund Metaphern der Poesie fort. Ich möchte deshalb in den einleitenden Wortender Elegie Davids auf den Tod Sauls und Jonathansdie Gazelle, o Israel,ist auf deinen Höhen erschlagen" (IL Sam. 1, 19) eine Anspielung auf irgendein altes Opfer sehen, von ähnlicher Gestalt wie das, welches sich in Laodiceaso lange lebendig erhielt. Der heilige Hirsch des Ikarus bei Arrian kann nurfür ein Opfer gehalten werden.

S. Der Wüdesel

wurde von den Arabern gegessen, und zwar muss er im Zusammenhang mitreligiösen Zwecken gegessen worden sein; denn Simeon Stylites verbot den vonihm zum Christentum Bekehrten den Genuss seines Fleisches. Umgekehrt war derEsel bei den Harraniern eine verbotene Speise, wie das Schwein und der Hund ;aber es findet sich kein Zeugnis, dass er, wie diese Tiere, in aussergewöhn-lichen Mysterien geopfert und gegessen wurde. Wenn wir jedoch bei einerGruppe der Semiten den Genuss des Fleisches des Esels verboten finden,während es bei einer andern Gruppe in einer Weise gegessen wird, die denChristen als Götzendienst erschien, so wird dadurch die Annahme stark bekräf-tigt, dass der Esel von Alters her ein heiliges Tier war. Ein wirklichesEselopfer erscheint in Aegypten im Cultus des Typhon (Set oder Sutech),wobei die Aegyptologen freilich zweifeln, ob dieser ursprünglich ein semitischerGott war. Der Esel war ein dem Typhon geweihtes Tier, und bei gewissenreligiösen Feiern opferte das Volk von Koptus Esel, indem es diese in einenAbgrund stürzte. Zu Lykopolis prägte man das Bild eines gefesselten Eselsauf die beim Opfermahl gebrauchten Kuchen 400 . Beide Bräuche deuten dar-auf Irin, dass es sich hier um Geheimculte oder Sühneriten handelt; sie stehenauf gleicher Stufe mit der Verbrennung lebender Menschen für den Typhon 407 .Wenn es bewiesen werden könnte, dass diese Bräuche wirklich semitischenUrsprungs waren, so würde der Esel ein unverkennbares Beispiel für ein altesmystisches Sühnopfer in unserem Bereiche sein; doch müss man bisweilen dieSache unentschieden lassen. Immerhin mag hier noch bemerkt werden, dassder alte Stammesname Hamor (der Esel) bei den Kanaanitern in Sichern dieAnsicht zu bestätigen scheint, dass der Esel bei einigen Semiten ein heiligesTier war. Die Fabeleien von einem Eselscultus bei den Juden 408 haben, wieviele andere falsche Angaben ähnlicher Art, ihren Ursprung wahrscheinlich ineiner Verwechselung zwischen den Juden und ihren heidnischen Nachbarn.

465) S. die Darstellung bei M e n a n t, Glyptique, Vol. I, p. 146 ff'. Vol. II, p. 68.

466) Plutarch, De Iside et Osir. § 30. Ueber die Bedeutung dieser Kuchens. oben p. 170, Anm. 337 u. p. 180, Anm. 372. Für die Opferung durch Herabstürzenin Abgründe vergl. unten Cap. X u. XL

467) M a n e t h o, bei Plutarch, Is. et Os. § 73.

468) Bochart, Hierozoicon, Pars I, Lib. I, cap. 18.

S mi t h, Eeligion. 15