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Die Religion der Semiten
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Der Totemisinus bei den Semiten. 101

finden, dass wir nicht so sehr von dem Gott als von den Göttern einer Stättehören, und zwar nicht im Sinne einer unbestimmten Zahl deutlich von ein-ander unterschiedener Gottheiten, sondern mit der gleichen Unbestimmtheit,wie sie für die Vorstellung von den ginnen bezeichnend ist. Ich bin zu derAnnahme geneigt, dass dies die Idee ist, die dem hebräischen Gebrauch des Pluralsd , !"6k, sowie dem phönicischen d?ü im singularischen Sinne zu Grunde liegt 140 .Diese Erscheinung nur auf ursprünglichen Polytheismus zurückzuführen, wiees bisweilen geschieht, genügt nicht, um zu erklären, warum die Pluralformgewöhnlich gebraucht wird, um eine einzelne Gottheit zu bezeichnen. Wennjedoch ursprünglich die Elolüm einer Stätte ursprünglich alle ihre heiligenBewohner bezeiclmete, die als eine unbestimmte Masse ununterscheidbarer Wesenangesehen wurden, so würde der Uebergang zum Gebrauche des Plurals insingularischem Sinne naturgemäss folgen, sobald die unbestimmte Anschauungin die Vorstellung von einem individuellen Gotte des Heiligtums übergeht. Fernertritt aber die ursprüngliche, unbestimmte Vielheit von Elolüm hervor in derVorstellung von den Engeln als Bne ElohimSöhne der Elohim", was nachsprachlicher Analogie nurWesen von der Art der Elohim" bedeuten kann.Im alten Testament bilden dieSöhne Gottes" einen himmlischen Hof, undwenn ein Engel auf der Erde erscheint, kommt er gewöhnlich allein und miteinem bestimmten Auftrage. In den ältesten Ueberlieferungen der Hebräeraber besuchen Engel öfter heilige Stätten, wie Bethel und Machanaim, auchwenn sie keine Botschaft auszurichten haben (Gen. 28, 12; 32, 2). Dass dieEngel alsSöhne der Götter" in der altsemitischen Mythologie eine Bollespielen, ist aus Gen. 6, 24 deutlich zu ersehen; denn die Söhne der Götter,die mit den Töchtern der Menschen Ehen eingehen, haben in der Religiondes alten Testaments keine Stelle. Die Sage muss aus einer niedrigeren Stufeder Religion herübergenommen sein; vielleicht war es eine locale, mit demHermon verknüpfte Sage (Henoch, 6, 6; Hilarius zuPs. 133). Ewald hat richtigbemerkt 147 , dass in Gen. 32, 2830 der Sinn ist, dass ein Engel keinen Namenhat, d. h. er ist keine besondere Individualität, er ist nur einer aus einer Klasse.Aber indem Jakob mit ihm ringt, kämpft er mit QTibx (vgl. Hos. 12, 4).

Nach alledem, können wir kaum dem Schlüsse ausweichen, dass einigevon den semitischen Göttern ihrem Ursprünge nach Totems sind, und wirdürfen erwarten, dass wir die deutlichsten Spuren dieses Ursprungs bei denältesten Heiligtümern finden werden. Aber wir dürfen nicht annehmen, dassjede locale Gottheit zu einem Totem in Beziehung steht. Denn unfraglichentstanden neue Götter sowie neue Heiligtümer auf einer späteren Stufe dermenschlichen Entwickelung als derjenigen, welcher der Totemismus eigentüm-lich ist. Auch heilige Stätten, die in altem Zusammenhang mit den Dämonenstanden, mochten in manchen Fällen als Aufenthalt freundlicher Mächteimd als geeignete Sitze für einen Cultus betrachtet werden, nachdem die Dä-monen nicht mehr mit Pflanzen- oder Tierarten identifiziert wurden und einemenschenartige Gestalt angenommen hatten, wie die Nymphen und Satyrn derGriechen. Es ist etwas ganz anderes zu sagen, dass die Erscheinungen dersemitischen Religion auf den Totemismus zurückführen, und etwas anderes, zubehaupten, dass sie alle aus dem Totemismus zu erklären sind.

146) s. Hoffmann, Phöniz. Inschriften (1889), p. 17 ff.

147) Die Lehre der Bibel, II, 283.