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Die Religion der Semiten
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Die Natur und die Götter. 17

Gottheit handelt, nach denen sie die Gestaltung der eignen Lebensführungihrer Anhänger erwartet was IL Kön. 17, 26 als das,was dem Landes-gotte gebührt" (mischpät) bezeichnet wird. Ganz genau so verhält es sich mit derReligion Israels. Wenn die Propheten von der Kenntnis Gottes sprechen, someinen sie stets eine praktische Kenntnis der Gesetze und Grundforderungenseiner Herrschaft über Israel (s. besonders Hos. 4), und eine kurze zusammen-fassende Bezeichnung der Religion als eines Ganzen istdie Erkenntnis und"die Furcht Jahwes" (Jes. 11,2), d. h. die Kenntnis von dem, was Jahwefordert verbunden mit ehrerbietigem Gehorsam. Ein äusserster Skepticismusgegenüber aller religiösen Spekulation ist im Prediger" als die der Frömmig-keit angemessene Haltung anempfohlen; denn kein Ergebnis der Discussionvermag den Menschen über die klare Forderung hinweg zu heben:FürchteGott und halte seine Gebote" (Pred. 12, 13). Der Verfasser legt diesen Ratdem Könige Salomo in den Mund, womit er ihn nicht unrichtig als einenzusammenfassenden Ausdruck für che alte Anschauung von der Religion hin-stellt, die zu seiner Zeit in verhängnisvoller Weise sich zu zersetzen begann.

Dass es angemessen war, alle metaphysischen Fragen nach dem Wesender Götter hintanzustellen, bevor wir die religiösen Bräuche in ihren Einzel-zügen festgestellt haben, wird besonders ersichtlich, wenn wir in Kürze er-wägen, was die späteren heidnischen Philosophen und Theosophen mit ihrenVersuchen, eine Theorie der traditionellen Religion zu entwickeln, erreichten.Keinem einzigen dieser Denker gelang es, eine Darstellung vom Wesen derGötter zu geben, aus der alle überlieferten Bräuche des Cultus rationell ab-geleitet werden konnten. Und solche, die irgend welche Ansprüche auf Recht-gläubigkeit erhoben, nahmen ihre Zuflucht zu gewaltsamen, allegorischen Aus-legungen, um das feststehende Ritual mit ihren Theorien in Einklang zubringen. (Vergl. dafür: P 1 u t a r c h, Quaestiones graecae et romanae.)Der Grund dafür liegt auf der Hand. Die traditionellen Bräuche der Re-ligion waren im Laufe vieler Jahrhunderte allmählich erwachsen und re-flectierten eine Art des Denkens, wie sie für ganz verschiedene Stufen dermenschlichen, geistigen wie sittlichen Entwickelung bezeichnend war. KeineAnschauung vom Wesen der Götter konnte irgend einen Faden durch alleTeile dieses vielgestaltigen Complexes von Riten und Ceremonien bieten, diedas spätere Heidentum als Erbe von einer langen Vorfahren-Reihe jedes Cultur-standes von der reinen Barbarei an aufwärts übernommen hatte. Inden religiösen Institutionen verkörpert sich die Entwickelung des religiösenDenkens der Menschheit, wie sich in den geologischen Bildungen die Ge-schichte der Erdrinde darstellt: altes und neues ist hier in nebeneinander,oder vielmehr übereinander lagernden Schichten erhalten. Die Anordnungder cultischen Bildungen nach ihrer wirklichen Reihenfolge ist der erste Schrittzu ihrer Erklärung; diese aber muss ihren Masstab nicht irgend einer sy-stematischen Theorie, sondern dem naturgemässen Entwickelungsgang ent-nehmen.

Wir haben bereits erörtert, dass wir bei dem Versuch, eine solche Ent-wickelungsgeschichte der religiösen Institutionen zu geben, mit der vorläufigenFeststellung einiger Anschauungen über das praktische Verhältnis, in dem dieGötter des Altertums zu ihren Verehrern standen, beginnen müssen. Dem müssenwir jetzt noch hinzufügen, dass wir ebenso von vornherein einige elementare

Smith; Religion. 2

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