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giebt, stimmt — wie Frassati bemerkt — völlig mit der Jochsüberein. „Die Strafe ist notwendig — sagt er — und muss be-stehen bleiben, selbst wenn jede Freiheit bestritten wird. Tadelund Lob. Belohnung und Strafe. Furcht und Hoffnung. Ehre undSchande sind eben die unsichtbaren Triebfedern, das Räderwerk,wodurch die menschliche Gesellschaft lebt und sich bewegt. DieStrafen sind das manchmal leichte, manchmal schwere Gewicht, dasdie zukünftige Übelthat verhindern oder die schon geschehene be-strafen soll. Der Mensch ist nicht frei, aber es ist gut wenn ersich einbildet, frei zu sein. Ohne Gesetze, ohne Strafen könntekein Dorf, keine Stadt bestehen; die menschliche Gesellschaft selbstmüsste sich auflösen." Und an anderer Stelle: ,.Der Gedanke,dass Belohmmgen und Strafen, wenn man die Freiheit dos Menschenleugnet, nutzlos wären, ist so wenig begründet, dass es uns scheinenwill, die Strafe könnte nutzlos erscheinen, wenn der Mensch ohneGrund und ohne Ursache etwas wollen könnte. Du sagst, Strafendürften nur bei Willensfreiheit bestehen. Ich antworte dir: Dubestrafst auch die Tiere, denen du die "Willensfreiheit absprichst.Durch die Strafe gewöhnst du die Pferde, ohne danach zu fragen.ob sie einen freien Willen haben oder nicht." ,
Und noch an einer anderen Stelle: „Warum muss der .Diebbestraft werden? Warum pflegt man einen Esel wegen seinerDummheit zu bestrafen? und warum erschlägt man einen tollenHund? Wir töten also den, der uns schaden könnte! Handelt derungerecht, der einen tollen Hund tötet? Was kann denn aber derHund für seine Tollheit?"
Was nun Rondeau betrifft, der unter Joseph II. General-gouverneur der österreichischen Lande war. so'lese man, was er ineinem Essai jjliysique sur la peine de mort kühn behauptete:
Der Mensch ist nicht frei in seiner Wahl; er ist offenbar ge-zwungen, das zu wählen, was ihm am nützlichsten erscheint; wenner die Wahl aufschiebt, so ist er deshalb um nichts freier; er istaber gezwungen, die Wahl aufzuschieben, bis er die Eigenschaftendes Objektes, das sich seinem Urteil darbietet, kennt oder zu kennenglaubt. Ihr sagt: der Mensch entscheidet sich in jedem Augenblickzu Handlungen, die ihm schaden können; der Mensch tötet sichsogar manchmal, also ist er frei. Ich leugne es kurz und bündig.Steht es in des Menschen Belieben, richtig oder falsch zu denken?Hängen seine Vernunft, sein Wissen, nicht von den Meinungen, dieer sich über die Dinge macht und von der Beschaffenheit seinerIndividualität ab? Da weder die einen noch die andern von seinemAVillen abhängen, so können sie in keiner Weise seine Freiheit be-Aveisen. Das innere Gefühl, das uns glauben macht, es läge inunserem Belieben, eine Handlung zu thun oder zu unterlassen, ist.