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Neue Fortschritte in den Verbrecherstudien
Entstehung
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XV. Kapitel.

Der Verbrechertypus in der bildenden Kunst.

Es ist äusserst interessant zu beobachten, wie grosse undgeniale Künstler den Verbrechertypus, lange bevor ihn die Kriminal-anthropologie wissenschaftlich demonstrierte, intuitiv erfasst und inihren Werken zum Ausdruck gebracht haben.

Nach Dr. E. Lefort (Le type criminel d'apres les savants etles artistes. Lyon. 1892; Arch. di psich., XIII, S. 460) hat schonMichelangelo die tierischen Formen der Teufel durch die mensch-liche Gestalt, durch einen Dämon mit zurückfliehender Stirn, spitzerNase und grossen Henkelohren ersetzt. Im Nachen des Charonsehen wir einen Verdammten, der tierähnlich gebildete Ohren hat,das Gesicht eines anderen zeigt mongolischen, das eines drittenNegertypus. Alle Verdammten und Teufel haben ein stupides,idiotisches Aussehen.

Auf einem Gemälde des Andrea Mantegna. das ein Martyriumdarstellt, hat ein Scharfrichter, der eben zum Schlage ausholt, zurück-füehende Stirn. Stulpnase, breiten Mund und wulstige Lippen, dazunoch vorstehende Unterlippe und viereckiges Kinn.

Tizian stellt im Martyrium des h. Lorenz einen Henkers-knecht mit grossem, starkem Kopf, stark in die Breite entwickeltemGesicht und reichlichem, tief in die Stirn hinabreichendem Haar-wuchs dar. In der Geisselung und Verspottung Christi hat derMensch, der Christus eben mit einem Stocke die Dornenkrone aufsHaupt zu drücken sucht, quadratische Schädelform und eine starkausgesprochene Gesichtsasymmetrie, so dass der obere Teil des Ge-sichtes die Kraft und die Anstrengung charakterisiert, während dieuntere Partie ironisch zu lächeln scheint; ein anderer Henkersknechtauf demselben Bilde hat ein breites Gesicht, niedere Stirn, einenwie drohend auf der rechten Seite etwas nach aufwärts verzogenenMund, reichliches Haar und schlechten Bartwuchs.