XII. Kapitel.
Anwendung des Studiums des Verbrechertypus
auf die Lehre von den Revolutionen und die
forensische Medizin.
1. Anarchistentypen. — Eine der merkwürdigsten undvielleicht praktisch wertvollsten Anwendungen der Kriminalanthro-pologie leitet sich vom Studium der Physiognomien politischer Ver-brecher ab. Denn sie liefert dem Studium des politischen Ver-brechens die thatsächlichen Grundlagen, die .sich bis jetzt allenKachforschungen und allen Anstrengungen der Juristen zu entziehenschienen: ferner erhalten vir dadurch ein richtiges Unterscheidungs-zeichen zwischen der echten Eevolution, die stets nützlich undfruchtbringend ist, und der blossen Rebellion oder Revolte, die stetsunfruchtbar und gefährlich. 1 )
Es ist eine nun feststehende Thatsache, für welche ich indieser Arbeit bereits die Beweise erbracht habe, dass diejenigenMenschen, von deren Wirken die grossen wissenschaftlichen oderpolitischen Umwälzungen, die den wahren Fortschritt der Mensch-heit fördern, ihren Ausgang nehmen, entweder Genies oder Heiligesind, und sämtliche eine mittlere, richtig proportionierte Physio-gnomie zeigen. Um sich davon zu überzeugen, braucht man sich nuran die edlen Züge eines Paoli. Fabrizi. Dandolo. Moro. Mazzini.Garibaldi. Gambetta. Marx. Lassalle und mancher Nihilisten undchristlicher Märtyrer zu erinnern. Gewöhnlich haben diese Männer
*) Lombroso und Lasclii, Delitto politico, ecc. Turin, Bocca, 1891.— Siehe auch Lombroso, Les applicaiions de l'anihropologie criminelle, Paris,Alcan, 1882.