II. Kapitel.
Skelett und Schädel bei Verbrechern.
1. Becken. — Chudzinski hat am Mörder Kaps, einemganz jungen Menschen, von dem Joly behauptet hatte, dass er,ausser seiner Physiognomie, die seiner Angabe nach stupid undbestialisch sei, keinerlei an den Verbrechertypus erinnernde Dege-nerationszeichen an sich trage, vollständige und breite Öffnung desCanalis sacralis, wie sie beim Foetus und bei den niedrigeren Tierenbesteht, vorgefunden (Bulletin de la Soc. d' anthropologie, 1891;Arcliivio di psichiatria, (XIII. S. 249).
2. Wirbel. — Dr.Tenchini (Sülle varietä numeriche vertebro-costali nelV uomo, Parma, Battei, 1889) untersuchte die Anomaliender Wirbel und Kippen an 80 menschlichen Leichen, von denen41 auf Verbrecher und 39 auf normale Menschen entfielen. Nachseinen Beobachtungen zeigten sich dahin gehörende phylogenetischeAnomalien bei 5 Delinquenten, dagegen aber nur bei 1 Normalen;das ergiebt also eine Verhältniszahl von 12,5% für die Verbrecher,gegen 2,5% für die Normalen.
Die an den Verbrechern beobachteten Anomalien sind folgende:1) bei einem Falschmünzer ein überzähliger Lendenwirbel; 2) beieinem Bettler und Landstreicher ein überzähliger Nackenwirbel mitzwei kleinen beweglichen asternalen Hippen; 3) bei einem Mörderein überzähliger Sakralwirbel und ein am ersten Lendenwirbel be-festigtes 13. Bippenpaar; 4) bei einem Strassenräuber fehlt einLendenwirbel; 5) bei einem zweiten Mörder fehlen die 12. Rippeund der letzte Dorsalwirbel, dagegen zeigen sich 2 bewegliche rippen-artige Ansätze an den Seiten des 7. Nackenwirbels.
Bei dem Leichnam des normalen Menschen (der indessen sehrexcentrisch war, fehlte der 12. Dorsalwirbel und die 12. Rippe.
Lombroso, Verbrecherstudien. 2