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Neue Fortschritte in den Verbrecherstudien
Entstehung
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schaft zu Gunsten dos Glaubens, sie wenden sich von Darwin abzu Christus. Tolstoi möchte die christliche Kirche der erstenJahrhunderte in ihrer Einfachheit wieder herstellen und kehrt zumpatriarchalischen Leben zurück. Wagner versinnbildlicht den KampfzAvischen Geist und Materie, der das Lieblingsthema aller mystischenBetrachtungen des Mittelalters war.

Aus der Degeneration erklärt Nordau auch viele Charakter-züge ihrer "Werke: die religiös-sexuellen Verirrungen Tolstois,den philosophischen Mysticismus Wagners und sein Bestreben, alleKünste dem Musikdrama dienstbar zu machen, die Vorliebe fürkoloristische und musikalische Wirkung der französischen Symbo-listen, bei denen das Wort keinen klaren Gedanken vorstellen,sondern optische oder akustische Bilder hervorrufen soll, schliess-lich den Enthusiasmus, mit dem sich viele spiritistische Litteratur-werke auf Avahre, aber noch geheimnisvolle Thatsachen und auf denalten Geister- und Gespensterglauben geworfen.

Abgesehen von vielen Übertreibungen und Einseitigkeitenkönnte das Buch dazu berufen sein, eine neue Aera der Kritik ein-zuleiten.

6. Positivistische Übertreibungen. Wir haben ge-sehen, dass sich der Litteratur in unserer jungen Wissenschaft neueund reichliche Quellen erschliessen, umgekehrt aber findet auch dieWissenschaft ein mächtiges Hilfsmittel an den Meisterwerken jenerMeister der Menschenbeobachtung, deren Wort manchmal nochmehr ins Gewicht fällt, als das der gelehrtesten Anthropologen, weilsie weniger voreingenommen sind als diese und eine breite Ver-bindungsstrasse zwischen der Wissenschaft und dem grossen Publi-kum herstellen.

In den Romanen von Zola und Sacher-Masoch (z. B.Nana und Venus im Pelz) haben nun die Psychiatriker die Datenzum vollständigen Typus jener Psychopathia sexualis gefunden, inder die Männer sich zum Sklaven des Weibes machen, ein Ver-gnügen daran finden, sich von ihm erniedrigen und treten zu lassenwie Lasttiere, so dass man diese Krankheitsform sogar alsMaso-chismus" (siehe die vorzügliche Psychopathia sexualis von Krafft-Ebing) bezeichnet hat. Ebenso nennt man den krankhaften Tic,den Genuss am Weibe dadurch zu erhöhen, dass man ihr Qualenverursacht, ..Sadismus" nach den Romanen des Marquis De Sade.Dagegen schildern uns Kleist in|seiner Penthesilea und Sylvestrein seiner Brunhilde, Weiber, die daran Gefallen finden, den Mannzu beissen oder zu verwunden.

Dazu möchte ich indessen bemerken, dass dies alles, obgleiches vom Standpunkt der Psychiatrie unanfechtbar, in der Kunst[]doch

LombruBo. Verbrecherstudien. 21