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Neue Fortschritte in den Verbrecherstudien
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seinen eigenen entsprechen; nun versteht er seine Neigungen undInstinkte, die ihn stets zum Bösen verlocken, und um diesen mächtigenReizen nicht zu unterliegen, tötet er sich.

5. Nordau. Die umfassendste direkte Anwendung der imTJomo delinquente und im TJomo di genio niedergelegten Theorienwurde von Max Nord au in seiner Erklärung des litterarischenMysticismus, Symbolismus und der Decadence versucht.

Max Nordau zeigte im unlängst erschienenen ersten Bandeseiner Entartung, wie die Resultate der neuen psychiatrischenSchule dem Kunstkritiker ein neues wirksames und wahrhaft wissen-schaftliches Mittel der Analyse an die Hand geben kann. Er ver-schmäht es. die Genesis eines Kunstwerkes aus den Einflüssen desMilieu, die ja stets nur sehr oberflächliche sein können, zu erklären,er sucht sie vielmehr in individuellen Krankheiten. Tugenden. Lasternund psychischen Eigentümlichkeiten der Künstler. "Wenn Nordauauch auf die Degeneration als solche vielleicht zu viel Gewichtlegt und die diese begleitende Genialität nicht genug hervorhebtund ins richtige Licht stellt, so zeigt sich doch, wie fruchtbar dieseMethode sein kann, an fünf Studien, von denen die eine die Praera-phaeliten (Rossetti, Swinburne, Morris) eine andere die fran-zösischen Symbolisten (Mallarme, Verlaine, Rene, Ghil etc. etc.),eine dritte Tolstoi und den Tolstoiismus; eine vierte Wagnerund den "Wagnerkultus (Richard Wagner Dienst), die letzte denMysticismus behandelt. Nordau verlegt hier den Ursprung derKunst stets in den Charakter des degenerierten Künstlers; aus ihmentspringt seiner Meinung nach die Nebelhaftigkeit der Vorstellungenund ihr untergeordneter Verlauf, das konfuse Durcheinander derIdee, der im allgemeinen starke Erotismus, grosse Suggestions-fähigkeit, leichte oberflächliche Emotivität, Eitelkeit und Selbstliebe,weil die Künstler nur auf diejenigen Dinge achten, die zu ihremIch in irgendAvelcher Beziehung stehen.

Aus dem degenerierten Charakter der betreffenden Künstlersoll sich nach Nordau auch der konstante Archaismus der Grund-idee der Schulen erklären, die sie gründen oder denen sie angehören.

Die Praeraphaeliten, deren Typus Rossetti ist, greifen in derThat auf das Mittelalter zurück und erklären die kindlichen Werkeeines Giotti oder Botticelli für den Gipfelpunkt der Kunst,während sie die reife, in Form und Kraft mannbar gewordene KunstRaphaels verachten. Morris gebärdet und drappiert sich mittenim XIX. Jahrhundert wie ein alter Barde oder Skalde, er bewegtsich nur in ihrem Ideenkreis und verwendet ausschliesslich die vonChane er und seinen Zeitgenossen und Vorläufern gebrauchtenAusdrücke. Die französischen Symbolisten verschmähen die "Wissen-