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Neue Fortschritte in den Verbrecherstudien
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sonst so leicht zu lenken, so sanft war, geriet in Zorn, wurde wild,sobald von ihm die Rede war." Sogar seine ruhige Miene, seinewohlgenährte rundliche Gestalt thaten ihr weh.0. wenn sie dochweit weg wäre!" Als er eines Tages durch eine Lokomotive inGefahr geraten war. dachte sie hei sich selber, wie glücklich siegewesen, wenn der Fall wirklich eingetreten wäre; sie wäre dannnach Amerika gegangen und hätte dort ein neues Leben begonnen.

Und sie, die früher so selten ausgegangen war. ging nun oftzum Hafen hinunter, um die rauchenden Dampfer zu betrachten!Und im entscheidenden Augenblick drückte sie ihren heissen Mundauf den des Geliebten, den sie zum Meuchelmörder machen wollte.,.0. wie sie ihn liebte und wie sie ihn hasste! Ach. wenn sie esnur gewagt hätte, sie würde es selber gethan haben, um ihm dieschreckliche That zu ersparen; aber ihre Hände waren zu schwach,dazu brauchte es eine Männerfaust."

Und dieser Kuss. der kein Ende nehmen wollte, war alles,was sie ihm von ihrem Mute bieten konnte, es war Vollbesitz, Eins-werden der Körper, was sie ihm versprach (S. 301). Als sie ihreLippen von den seinigen trennte, glaubte sie ganz in ihm auf-gegangen zu sein, und er öffnete das Messer.

So ist die Verbrecherin eine Halbverbrecherin, ein verbrecherischbeanlagtes "Weib, eine Kriminaloide, wie ich sie nenne (Uorno delin-quente. 2. Bd.). ein AVeib, das zu keinem Verbrechen fähig ist, wennes nicht durch die Macht der Gelegenheit dazu getrieben wird (unddie Gelegenheit ist immer die Liebe); und wenn es zur Verbrecherinwird, so bedarf es des Armes eines andern, der fast immer derGeliebte ist, denn es ist schwach.

Auch ihre anatomischen Merkmale, die nicht die Merkmaledes geborenen Verbrechers sind, zeigen dennoch Eigentümlichkeiten,die sich bei anderen Frauen nicht finden. Sie hatte ganz schwarzesHaar, das über ihrer Stirn gleichsam einen Helm zu bilden schien,langes Gesicht, starken Mund und breite blaue Augen von derFarbe der Immergrünblüten.

4. Garborg. Arne Garborg, der geschmähte und ver-lästerte norwegische Zola, der nun im Norden eine Popularität er-reicht hat, wie sie bislang keinem Schriftsteller zuteil geworden,schildert in seinem Kolbotnbrew og Andre Shildringar (Kolboten-briefe und andere Schilderungen) Bergen, Verl. v. Mons Litlere,1892. einen moralisch Irrsinnigen, der, da er reich und mächtig ist.keine Gelegenheit hat. sich als Schurke zu zeigen und sogar alsMenschenfreund auftritt. In der Einsamkeit des Krankenzimmersliest er mein Buch L'uomo delinquente und findet, dass die ana-tomischen und funktionellen Merkmale des geborenen Verbrechers