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Neue Fortschritte in den Verbrecherstudien
Entstehung
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leptiker, wie Jacques, auch noch andere Defecte haben müsste, wiez. B. eigentümliche Charakterheftigkeit, Erregbarkeit ohne Grund,tiefgehende TJnmoralität, während er bei Zola im Gegenteil mit Aus-nahme derjenigen Momente, wo ihn seine Wildheit packt, durchwegals ein ehrbarer Mensch erscheint.

Vom Standpunkt der sexuellen Mordmonomanie aus finde ichjenen Abscheu vor dem Morde, wie ihn der ehrliche Mann empfindet,und der sich auch bei Jacques zeigt, wenn er einen andern, als einjunges hübsches Weib morden soll, sehr richtig gezeichnet. Sowiderstrebt es ihm, Roubeaud zu ermorden, obgleich die Gelegenheitäusserst günstig, und er von dessen Frau dazu angestachelt wird.

,.Hatte er ein Recht, diesen Mann zu töten? Wenn ihn eineFliege belästigte, so verjagte er sie" u. s. w. Aber schliesslichfühlte er doch, dass er ihn nicht zu töten vermochte; es schienihm so ungeheuerlich, so unmöglich, der civilisierte Mensch in ihmbäumte sich dagegen auf kraft seiner Erziehung (Seite 298) und derlangsamen Ablagerung überkommener Ansichten. Sein von Skrupelnvollgestopftes Hirn wies den Gedanken an einen Mord mit Abseilenvon sich. Aus innerer Notwendigkeit, aus heftigem Drange töten,ja, aber mit voller Willensabsicht, aus Berechnung töten, dazuwürde er niemals imstande sein."Niemals würde er mit Über-legung einen Mord begehen, es packte ihn ein heftiger Drang zubeissen. dass er sich mit einem Sprung auf seine Beute stürzenmusste." (S. 203.) Dies alles ist sehr wahr.

So ist alles in allem viel Irrtümliches, aber auch viel richtigErratenes im Hauptcharakter des Buches; doch wird ein Irrenarztstets sehr schwere Irrtümer darin entdecken und finden, dass diesedas-richtig Erfasste überwiegen.

EJRichtig erfasst und gewiss nach dem Leben gearbeitet ist in-dessen der Charakter der Severine. Sie ist keine eigentliche Ver-brecherin; nur äusserst sinnlich beanlagt; von Jugend auf hat sieschmierigen Praktiken gefröhnt, sie ist nur fähig, Liebe zu empfinden,wenn sie dadurch schuldig wird, und schon von Kind auf verstandsie sich auf alle Verstellungskünste. Und dennoch ist sie eine guteGattin und Hausfrau, bis sie die Gelegenheit auf Abwege führt.Sie ist an ihren Mann gebunden, gerade darum macht sie sich ohneWiderwillen zur Mitschuldigen bei dem Morde; und nachdem siesich nun an Jacques gehängt hat, fühlt sie ihrerseits wieder dasBedürfnis, den Gatten zu morden und möchte ihren Geliebten zumMeuchelmörder machen.

,.Es war ihr (S. 291) geradezu ein Bedürfnis, sie mussteJacques ganz für sich haben, Tag und Nacht, sie wollte sich niemalsvon ihm trennen. Ihr Hass gegen ihren Mann wuchs, allein schonseine Gegenwart versetzte sie in krankhafte Aufregung. Sie, die