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Neue Fortschritte in den Verbrecherstudien
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fall gehandelt hätte. Ich suchte Ihm Vorwürfe zu macheu, wie eres verdiente; deun der Verlust meiner Bibel schmerzte mich sehr.Er hörte mir ohne Erregung, ja eigentlich mit grosser Kühe zu;er gab zu, dass die Bibel ein sehr nützliches Buch sei und be-dauerte aufrichtig, dass ich es nun entbehren müsse, zeigte aberkeinerlei Reue darüber, dass er mir es gestohlen; dabei sah er michso ruhig an und schien so wenig eingeschüchtert, dass ich es auf-gab, ihn weiter auszuzanken. Er Hess meine Vorwürfe über sichergeben, weil er meinte, dass sie unvermeidlich und dass er sie auchfür eine solche Handlung verdiene, und dass ich ihn zu meinereigenen Erleichterung und, um mich über den Verlust des Bucheszu trösten, folgerichtigerweise auszanken müsse; seinem innerstenEmpfinden nach waren dies alles aber nur Albernheiten, um deinet-willen ein vernünftiger Mensch kaum ein Wort verliert."

Auch wo es sich um ihr Leben oder um ihre Zukunft handelt,kann man dieselbe Sorglosigkeit bei ihnen beobachten: ..Ein solcherSträfling hat sich vielleicht verheiratet. Kinder gehabt und fünfJahre lang ruhig in einer Ortschaft gewohnt; da verschwindet erplötzlich eines schönen Tages, verlässt Weib und Kind, zum grösstenStaunen seiner Familie und der ganzen Gegend."

Ebenso merkwürdig ist es, wenn uns Dostojewsky von denausgezeichneten Eigenschaften und der Zuverlässigkeit von zweioder drei Sträflingen erzählt, deren Physiognomien keinen Verbrecher-zug aufzuweisen hatten. Auch seine Schilderung der Verbrechen,die diese Unglücklichen ins Strafhaus gebracht haben, beweist, dasssie eigentlich keine wirklichen echten Verbrechen im eigentlichenSinne des Wortes begangen, sondern dass es sich hier um politischeoder religiöse Schwärmer handelt. 1 )

Diese sind, wenn ich mich recht erinnere, die drei einzigenBeispiele von ehrlichen und anständigen Individuen, die Dosto-jewski während seines langjährigen Aufenthaltes im Ostrog kennengelernt, die einzigen, die ihm keinen Abscheu einflössten, die seineFreunde wurden, die nichts von dem Cynismus und der ausser-ordentlichen Immoralität der anderen an sich hatten. Sie hattendie Degenerationszeichen der Verbrecher einfach deshalb nicht, iveilsie keine solchen ivaren, und weil sie einfach dem Gesetz gegenüberungehorsam gewesen waren, aber ohne in jene Art von Schuld zuverfallen, die unserer Ansicht nach das echte Verbrechen ausmacht.Man sieht daraus, dass solche Ausnahmen die Regel nur bestätigenund die Richtigkeit der Theorie vom natürlichen Verbrechen undvom Verbrechertypus beweisen.

x ) Aus Garofalo, Criminalogia, 3. Aufl.