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Neue Fortschritte in den Verbrecherstudien
Entstehung
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Wenn, wie ich bereits sagte, die physiognomischen Degenera-tionszeichen unwesentlicher waren, als ich anfangs gedacht hatte,so wurden sie doch durch die biologischen und psychischen in der"Weise ergänzt, dass seine Schuldfähigkeit darnach sehr nachdrück-lich erwiesen war. Die weniger starke Ausprägung der physiogno-mischen Merkmale findet darin ihre Erklärung, dass er zu derjenigenKategorie gehörte, die wir als Gelegenheitsverbrecher zu bezeichnenpflegen, d. h. er war wohl durch erbliche Belastung zum Verbrechenprädisponiert, stürzte sich aber nicht in ein solches ohne direkte Notoder wenn sich die Gelegenheit bpt, dass er irgend einen Menschenfand, der viel Geld bei sich führte und ihm blindlings vertraute.Darum hatte sein Gesicht auch noch nicht jene finsteren Zügeangenommen, wie sie sich bei langjährigen gewohnheitsmässigenVerbrechern einzustellen pflegen. Auch ist es möglich, dass seinGesichtsausdruck zur Zeit, als er das Verbrechen plante und aus-führte, finsterer und grimmiger erschien, weil er damals gleich alstypisch erkannt wurde.

Der verbrecherisch Beanlagte steht dem geborenen Verbrecherso nahe, dass er in einem Augenblick und bei der ersten Gelegen-heit alle seine charakteristischen Züge annehmen kann. So war erursprünglich auch nicht tättowiert, kaum hatte er aber eine Kerker-strafe zu verbüssen, so tättowierte er sich auch und zwar ganz inder obscönen und widerspruchsvollen Weise, wie sie eben den Ver-brechern eigentümlich ist. Sicher aber lieferte hier die BiologieBeweise jeder Art, die mit den spärlichen Zeugenaussagen zusammen-gehalten, in jedem Lande, das weniger zartfühlend mit Verbrechernumgeht, vollauf genügt hätten, seine Verurteilung zu bewirken.Bei uns wurde er indessen freigesprochen.

7. Eyraud. Eyraud 1 ) scheint mir ein Beispiel eines ver-brecherisch beanlagten Menschen, aus dem mit der Zeit ein Gewohn-heitsverbrecher, ja ein Berufsverbrecher geworden.

Eyrauds Physiognomie entspricht in keiner Weise seinemschlechten Rufe.

Es mangelt ihm zwar nicht an einzelnen Degeneratiouszeichen;das Ohr ist 6,1 cm lang und abstehend; der linke Stirnhöcker iststark ausgeprägt und mit eigentlicher Asymmetrie; Lippen und Kiefersind sehr stark entwickelt, wie man es manchmal bei Wüstlingenfindet. Aber alle diese Merkmale sind weder sehr stark ausgeprägtnoch sehr zahlreich, es fehlt jener Gesamteindruck, der für michden Verbrechertypus ausmacht

x ) Aus der zweiten Auflage der Anthropologie criminelle et ses recentesprogrks. Paris, Alcan, 1891 (Bibliotheque de philosophie contemporaine).