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grimmigen Blick zu haben schien; im grossen und ganzen also einePhysiognomie, die dem Typus jedenfalls nicht viel nachgiebt. Den-noch erklärte ich, dass ich auf seine Kriminalität nicht schliessenkönne, bevor mir Einzelheiten aus seinem Leben und über seineEltern bekannt, und bevor ich untersucht, ob er auch Anomaliender Motilität und Sensivität aufzuweisen habe u. s. w.
Weitere Nachforschungen ergaben, dass er aus einem Valled'Inferno (Höllenthal) genannten und wegen seiner Kriminalitätberüchtigten Orte stamme, dass ferner aus seiner Verwandtschafteiner seiner Vettern irrsinnig, ein Grossvater am Schlag gestorben,und dass ein anderer Verwandter von ihm Brandstifter und Epilep-tiker war, und dass er selbst, obgleich er nicht gerade schlechtbeleumdet, doch ein wütender, zügelloser Spieler war.
Ein sehr merkwürdiger Umstand ist folgender: Als ich vordie Assisen geladen wurde, um hier mein Gutachten zu wiederholen,konnte ich einige Merkmale, die auf den Photographien deutlichzutage getreten waren, nicht mehr auffinden, so z. B. den grimmigenBlick. Dagegen fand ich Stenokrotaphie (Stirn 110, Jochbein 127)nach rechts verschobene Nase, was die Photographie nicht anzeigte,eine tiefe, aus der Kindheit herrührende Schädelnarbe, von derebenfalls auf der Photographie nichts zu sehen war. Schädelkapacitätbeträchtlich: 1561 — Umfang 560 — Longitudinalcurve 351 —Transversalcurve 310 — Longitudinaldurchmesser 187 — Trans-versaldurchmesser 153 — Schädelindex 76; was bei einem Ligurernormal.
Obgleich die Degenerationszeichen sich als zahlreicher heraus-stellten, so machte das ganze Gesicht doch nicht jenen Eindruckfinsterer Verschlossenheit, wie er mir aus den Photographien ent-gegengetreten war, was vielleicht daher rührt, dass die Bilder inden ersten Tagen seiner Gefangenschaft aufgenommen worden waren.
Sehr wichtig ist ferner, dass sich eine Anzahl biologischerCharakterzüge fand, die, wie ich vorausgesehen hatte, das kriminelleBild ergänzten: Die Pupille ist wenig beweglich, die Sehnenreflexesind rechts lebhafter als links; das Tastgefühl ist sehr stumpf, undzwar mehr rechts 5,0, als links 4,0; auf der Zunge 3,5. Wir habenalso motorischen und sensorischen Mancinismus. Auf der Brust trägter eine umfangreiche Tättowierung, die eine Frau darstellt, mit derUnterschrift: Ricordo Celina Laura (Andenken an Celina Laura —es war dies seine Erau); auf dem Arm dagegen findet sich das Bildeiner Prostituierten. Beide Tättowierungen waren im Kerker ent-standen, früher, als er nur für wenige Monate inhaftiert war. Selbstvor dem blutigen Leichnam seines Opfers fuhr er lächelnd fort zuleugnen.