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einer von aussen kommenden Anregung — kein einziger Gedanke.keine Bewegung des Menschen wäre spontan — alle unsere Ge-danken und Gefühle würden uns immer nur von einer sich ausser-halb uns vollziehenden Bewegung suggeriert; nur weil wir allzu-oberflächliche Beobachter seien, könnten wir glauben, dass alles vonuns ausginge, und ganz besonders habe der sociale Mensch aus-schliesslich suggerierte Gedanken, die er alle für spontane halte.
Sighele greift diesen Gedanken auf und beweist an Beispielen,dass die sich in grossen Volksmassen vollziehende epidemischeNachahmung eine ganz ähnliche Erscheinung ist. wie die Nachahmung,die man bei zwei einzelnen Personen (Lehrer und Schüler, Lieb-haber und Geliebte u. s. w.) beobachten kann: dass diese ArtNachahmung ein allgemeingültiges Gesetz sei, und zwar nicht nurim Normalzustand, bei ehrlichen Leuten, sondern sich auch inanormalen Zuständen bethätige, wie bei Irren (bei zAvei Personenauftretender "Wahnsinn) bei Selbstmördern (Doppelselbstmord) undbei Verbrechern (Verbrecherpaare) 1 ) — und dass diese Suggestionund Nachahmung in grossen Massen natürlicherweise in viel höheremGrade statthaben muss, weil gerade hier Einheit des Ortes und derZeit und die nahe Berührung der Individuen untereinander Gefühleund Erregungen mit reissender Schnelligkeit übertragbar machen.
All das bringt ein wenig Licht in die eigenartige Psychologieder Massen. Doch meint Sighele, dass noch andere Beobachtungenherangezogen werden müssen.
Die Zahl hat an und für sich eine grosse Macht und zwarin doppelter Beziehung: als arithmetische und als psychische Potenz.
Espinas hat in seinem sehr lesenswerten Werke .,Des societesanimales" diesen Einfluss der numerischen Zahl auf die Intensitätder Emotionen berechnet. Furcht, Freude, Zorn, überhaupt alleGefühlsäusserungen steigern sich, sobald sie von einer grossen ZahlPersonen gleichzeitig empfunden werden, fast augenblicklich in un-erhörter Weise, weil sich die Erregung jedes einzelnen durch Minenund Geberden äussert, und sich diese Äusserung auf dem "Wegedes Gesichtssinns von einem zum andern verbreitet.
Die psychische "Wirkung der Zahl ist unschwer zu verstehen.Es ist bekannt, dass jedes Tier mehr Mut zeigt, wenn es von an-deren Tieren seiner Art umgeben ist — andererseits aber ist beiden Menschen die Hoffnung unerkannt zu bleiben und stratlos aus-zugehen (was. wenn man zu vielen ist, jedenfalls leichter angeht)ein zweiter Beweggrund, der die Massen zu Handlungen verleitet,die ein einzelner allein niemals begangen haben würde. Zudem
*) Vergleiche auch Sighele s neues Werk: La'' coppia criminäle, vondem wir weiter unten sprechen werden.