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Neue Fortschritte in den Verbrecherstudien
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es ab, ob eine stürmische oder eine gemässigte Resolution gefasstwerde, ob die Massen eine friedliche Haltung bewahren oder sichzu gesetzwidrigen Ausschreitungen hinreissen lassen. Und trotzdemhatten die einzelnen Individuen, die das Theater besuchten, sichan einem Meeting oder an sonst einer Massenversammlung beteiligten,die Konsequenzen weder wünschen noch voraussehen können.

Hinsichtlich dieser Fälle kann man also unmöglich mit Spencerannehmen, dass der Charakter der Aggregation immer durch dieCharakterzüge der sie zusammensetzenden Einheiten bestimmt werde.Diese merkwürdige Führung mancher Aggregation lässt sich wederdurch individualpsychologische noch durch sociologische Gesetzegenügend erklären, hier müssen andere Gesetze angezogen werden.die der Kollektivpsychologie.

Und wirklich untersucht Sighele im ersten Kapitel seinesBuches die PsychopJtysiologie der Massen. Zuerst fragt er sich: wassind Massen? und welches ist die Ursache, die aus ein paar tausendMenschen, die bis dahin kaum etwas von einander wussten. jeneunnennbare fürchterliche Bestie entstehen lässt. die mit unwider-stehlicher Bestimmtheit ihrem Ziele entgegenrennt. Der Nachahmungs-trieb meint Sighele hat gewiss grossen Anteil an den augen-blicklichen Manifestationen der Menge; aber, wenn man auch dieA T achahmung als solche gelten lässt, so erklärt dies immer nochnicht das Warum? dieser Nachahmung, und gerade das ist das"Wichtigste dabei.

Einige Autoren (Ebrard. Joly, Moreau de Tours, liani-bosson) haben diese Nachahmung durch Suggestion (die im Grundeja nur eine unbewusste Nachahmung ist) und durch die moralischeAnsteckung zu erklären versucht. »Wie ein musikalischer Ton schreibt Despine alle gleichgestimmten Saiten mitschwingenund miterklingen lässt, so erregen die Äusserungen eines Gefühlsoder einer Leidenschaft das gleiche instinktive Moment, versetzenes in Thätigkeit und lassen es, sozusagen, bei jedem Individuummitschwingen, das fähig ist, dieses selbe instinktive Moment mehroder weniger intensiv zu empfinden."

Diese Ähnlichkeit sagt Sighele giebt uns zweifelsohneeine Erklärung, die weniger unbestimmt ist als die blosse ..Nach-ahmung", die aber in betreff der uns beschäftigenden Frage immernoch ungenügend ist. Wenn wir im Avissenschaftlichon Sinne voneiner moralischen Ansteckung reden wollen, müssen wir erst diephysische Basis dieser Ansteckung ausfindig machen. Sergi hatin einer kleinen Schrift (Psicop. epidemica), und vor ihm hatte schonTarde in einem Artikel der Revue philosophique zu bestimmen ge-sucht, wie diese physische Basis wohl beschaffen sein könnte. NachSergi und Tarde wäre jede menschliche Handlung nur der Refies