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Misoneisten die Ideen, für die sie gekämpft haben, und wollen nie-mals zugeben, dass diese sich mit der Zeit ebenso umwandeln müssen,wie sie selber die alten Ideen umgewandelt haben. Das meinteSpencer mit seinem Ausspruch, dass jeder gegenwärtige Fortschrittein Hindernis für den zukünftigen sei.
Wir können also behaupten, dass die Mehrheit infolge desmit unerbittlicher Notwendigkeit wirkenden Gesetzes der Trägheitund des Misoneismus das Neue stets mit grossem Misstrauen auf-nimmt und alles von sich weist, was sie zu tief aus ihrer Ruheaufstören könnte.
Es ist dies vielleicht — sagt Sighele 1 ) sehr hübsch — diegrosse unbewusste Stimme des erblichen Instinktes der Species. dersich in seiner konservativen Eigenschaft gegen jeden auflehnt, derihm eine Neuerung zumuten will.
Weim nun der organische und menschliche Fortschritt nurlangsam von statten geht, und wenn der Mensch und die Gesell-schaft instinktiv konservativ sind, so geht daraus logisch hervor,dass fortschrittliche Bestrebungen, die sich durch heftige und ge-waltsame Mittel äussern, nicht physiologisch sind, und wenn sieauch manchmal für eine unterdrückte Minderheit geradezu zur Not-wendigkeit werden, so sind sie doch vom juristischen Gesichtspunktetwas Antisoziales, also ein Verbrechen. So also kann man daspolitische Verbrechen auf eine Verletzung des Gesetzes der Träg-heit zurückführen.
Die wichtigsten unter den wirklichen und scheinbaren Ver-letzungen des Trägheitsgesetzes sind ohne Zweifel diejenigen Kollektiv-bewegungen, die man gemeinhin Revolutionen oder Revolten zunennen pflegt. Die Verschiedenheit dieser beiden Namen enthülltklar genug die Verschiedenheit der Sachen. Die eine entsteht auslange andauernden und tiefgehenden Ursachen, die andere aus erstseit kurzem wirksamen und oberflächlichen. In der einen sprengtdas reife Küchlein die Schale; die andere ist eine Frühgeburt.
Dennoch lässt sich, wenn auf politischem, religiösem oderökonomischem Gebiet eine Bewegung ausbricht, nicht immer be-stimmen, ob es sich um eine Revolution oder eine Revolte handelt.Man kann es meistens wohl vermuten, aber nicht bestimmt behaupten.Das kommt daher, weil die Wahrheit und — ich möchte sagen —das einzige Unterscheidungszeichen zwischen Revolution und Revoltein ihrem Ausgang liegt. Ist ein Aufstand siegreich, so heisst ereine Revolution, wird er niedergeschlagen, so war es eine Revolte.Wenn das, was einzelne zu verwirklichen suchten, dem unbewusstenWunsch und dem latenten Bedürfnis der Mehrheit entspricht, dann
*) Archivio giuridico VI, 1891.