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Meiner Meinung nach, ja.
Wenn man bedenkt, dass das Weib ein weniger entwickeltesWesen ist, bei -welchem die Eindencentren weniger zahlreich, wenigerdifferenziert und nicht so wohl untereinander koordiniert sind, somuss sich daraus die Konsequenz ergeben, dass:
1) bei Gleichheit der Krankheitsursachen die Eindencentrendes Weibes weniger oft und weniger tiefgehend alterierbar sind;
2) dass die moralischen Alterationen beim Weibe wenigerkomplizierte, wenn es angänglich wäre, möchte ich beinahe sagen,weniger geniale Formen annehmen müssen;
3) dass diese Alterationen, unter gleichen Bedingungen beimWeibe leichter zu heilen sind.
Daher ist das Verbrechen beim Weibe seltener, besonders indem Alter, wo der Charakter der Weiblichkeit am stärksten aus-gesprochen (zwischen 21 und 50 Jahren); und deswegen sind be-sonders die schweren Verbrechen am seltensten und diejenigen,welche entweder grosse Körperkraft oder einen starken lind ent-wickelten Denkprozess voraussetzen (die Prostitution, die beim weib-lichen Geschlecht gewissermassen das Verbrechen ersetzt, erfordertgar keine Gedankenarbeit); daher auch die seltenere Eückfälligkeit,wenigstens in einigen Formen.
Wenn man zu diesen psychologischen Daten noch die Unter-schiede der Lebensgewohnheiten, der Beschäftigung und der physio-logischen Funktionen hinzurechnet, so wird man sich die Ver-schiedenheit der für das männliche und das weibliche Geschlechterlangten Eesultate unschwer erklären können.
2. Id. — Nach der schottischen Strafstatistik vom Jahre 1888(Morrison, Crimes and its causes, S. 154) waren 37% der auf-genommenen Anklagen gegen Frauen gerichtet Es ist wahr, dassallerdings nur 11% dieser Anklagen von einigem Belang waren,aber jedenfalls begehen die Frauen in Schottland mehr Delikte alsdie Männer. Das Verhältnis der englischen Verbrecherinnen er-reichte im Jahre 1888 nicht ganz 17°/ 0 und zeigt die Tendenz zusinken, da es in den letzten zwanzig Jahren 20% betragen hatte.Dass sich das Verhältnis der weiblichen Verbrecher in Schottlandim umgekehrten Sinne ändert, muss als eine Ausnahme betrachtetwerden. Ohne Zweifel muss die grosse Zahl weiblicher Verbrecherin Schottland den sozialen Verhältnissen des Landes zugeschriebenwerden. In der That müssen in keinem anderen Lande Europasdie Frauen so harte Arbeit verrichten; sie arbeiten auf dem Feldund in den Fabriken Seite an Seite mit den Männern, hängen inihrer Existenz beinahe gar nicht von letzteren ab und sind auch inökonomischer Beziehung emanzipierter als anderwärts. Mit einem