DEUTSCHE WÖRTER FÜR KRIEG. 561
"Formen aus dieser Zeit, immer mit iu der Wurzel, sind inSchmellers Bair. Wörterbuch 2, S. 454—455 zusammengestellt:niederdeutsche in dem Bremischen Wörterbuch 3, S. 272, orlog,orlich orloge und das Verbum orlogen. Luther gebraucht dasWort nicht: es war, wie es scheint, zu seiner Zeit erloschen.
Aus dieser Übersicht geht hervor, dass bei den Oberdeut-schen urliuge galt, bei den Niederdeutschen orlog orloge, auchdie Mitteldeutschen ziehen meist diese Form vor oder lassendie vermittelnde urlouc urlouge zu. Ausser bei Raumeland undRegenboge habe ich in lyrischen Gedichten das Wort nicht be-merkt, und Neidhart macht nur halb eine Ausnahme, da errohes, bäuerisches Leben besingt. Wenn es Hartmann, der vonallen das ausgebildetste Sprachgefühl besass, nur in seiner erstenDichtung zuliess und in den folgenden verschmähte, worin ihmWirnt folgte, so war das gewiss nicht zufällig: ihn mochte derAusdruck nicht vornehm und edel genug dünken. Wolfram,Gottfried und die andern waren weniger schwierig: wenn wires in Walthers Liedern nicht finden, so durfte es doch Freidankbei seinen Sprüchen einmal brauchen. Grosse Lebenskraftzeigte das Wort im Deutschen zu keiner Zeit und eigentlicheZusammensetzungen damit, wie sie im Angelsächsischen dochvorkommen, erscheinen bis auf urliugevluht Merigarto 4, 40 undurliuggruobe im Vocabularius optimus XXIII, 73 unterirdischerGang im Deutschen nicht. Die Bedeutung von Waffenkampfsteht fest, erweitert oder verengert sich nicht, wie es der Be-weglichkeit der Sprache natürlich ist, und sinkt nur bei Neid-hart und Berthold zu dem Begriff von gemeinem Zwist undGezanke herab. Hier noch besondere Redensarten mit urliuge:urliuge starkiu 4725 (1181, 2). Gudrun bei Müllenhoff starke.Aber welche Bedeutung gehört dem Wort ursprünglich an?Wir finden im Althochdeutschen urlac (Graff 2, S. 96—97) undnoch in den Sumerlaten 8, 14 urlage, das fatum übersetzt wirdund Grundgesetz bezeichnet, Urbestimmung, Weltordnung, diein der heidnischen Zeit selbst über den Göttern waltete (Mytho-logie S. 816—817). Ihm entspricht das altnordische orlög, dasnur im Pluralis vorkommt und in der alten Edda keine andere
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