DEUTSCHE WÖRTER FÜR KRIEG. 545
altete champion, die niederdeutsche Form kämpe mit ironischerAnwendung für den, welcher eine Parteiansicht verficht; mankann sogar von »Kämpen des Stillstands» lesen 1 ). Aber wirreden unbedenklich von dem »grossen Kampf der Völker« undhaben die Zusammensetzung Zweikampf nöthig, die wie einGegensatz zu einwic erscheint und auf welche das Alterthumnicht verfallen wäre. Ich weiss nicht wer sie zuerst gebrauchthat, bei Luther finde ich sie nicht; vielleicht ist es eine Über-setzung von duellum. Die niederländische Sprache hat sich inengerer Schranke gehalten, kamp bedeutet ein Gefecht zwischenmehreren in einem eingeschlossenen Platz, und ausser tweekamphat sie die Zusammensetzungen tweegevecht, tweestrijd, die wirnicht kennen 2 ). Das Dänische ist der deutschen Richtung gefolgt,kamp für Schlacht ist zulässig, auch tvekamp üblich und kämpegleichbedeutend mit Held: der Ursprung des Worts verräth sichnoch in häufigen Zusammensetzungen, wo wir im DeutschenRiese gebrauchen, und die in Molbecks Ordbog aufgeführt sind,z. B. kämpegrav kämpemener kämpesteene kämpeold kämpe-skridt, ja man spricht von kämpesundhed: im Schwedischenheisst kämpakarl ein in seiner Weise ausgezeichneter, trefflicherMann, kämpaprest ein hoher Geistlicher, so dass hier die Be-ziehung auf Waffenkampf ganz aufgegeben ist.
Der althochdeutschen Zusammensetzungen mit kempfo habeich schon oben (S. 536) gedacht, im Altfriesischen zeigt sich (Richt-hofen 857—858) kampskelde kampschield Kampfschuld, Überfüh-rung durch gerichtlichen Zweikampf: kampstal der dazu bestimmtePlatz: kampthing, Kampfgericht. Die in den späteren Quellenbei dem Gerichtsverfahren üblichen Ausdrücke findet man beiHaltaus. Ich will hier zusammenstellen, was vornehmlich inden Denkmälern des zwölften und dreizehnten Jahrhundertsvorkommt, kampfgenöz der Gegner im Zweikampf Erek 9120.Iwein7371. Parzival 212, 6. 688, 13. 689,10. 719, 10. Strickers
1 ) Deutsche Zeitung, (?), 380. Kampe des Absolutismus. Der liberaleKämpe für die Söhne österreichischer Subalternofficiere. Ein gelernter Kempfe,Altdeutsche Wälder 3, S. 215. Kämpfer in der Baukunst, Pott über Finger,p. 248. [Einzelne Zettel.]
2 ) Teutonista nachzusehen.
W. GRIMM, KL. SCHRIFTEN. III. 35