522 DEUTSCHE WÖRTER VÜR KRIEG.
einem anderen Dichter vorkommt 1 ) und überdies widernatürlichist, da der Feigenbaum bekanntlich keine sichtbare Blüthe hervor-bringt; man müsste denn die ungenaue Übersetzung der Vulgatavon aux7] ou zapTiocpopr^asi (Abacuc 3, 17), ficus non florebit, dieNotker natürlich beibehält, der figboum ne bluot (W. Wacker-nagel Lesebuch 1,130, 13) geltend machen wollen. Konrad scheintFeigen gesehen zu haben, denn er sagt im Engelhart 5233wuohsen da vigen und Troj. Krieg 9596 ris daz vigen truoc,woher der ungeschickte Überarbeiter das Wort für jene Stellemag herbeigeholt haben, die ich für verderbt halte. Stand ur-sprünglich strite im Reim (wie Otto 474. Silvester 4296.Schwanritter 185. 835. 1326. Troj. Krieg 12644), so muss einungewöhnliches Wort in der folgenden Zeile die Änderung ver-anlasst haben; vielleicht lautete sie sin ere, ein balsamite. DiesesWort bedeutet sisymbrium und ist selten, ich kenne es nuraus Genesis 16, 33. Walther 4, 35. Frauenlob Ettm. S. 16,aus einer Augsburger Glosse des elften Jahrhunderts, die mirD. Bethmann mitgetheilt hat, aus Glossen des 14. Jahrhundertsin Mones Anzeigers 1835, S. 240, aus den niederdeutschenGlossen in Mones Quellen S. 285 b . 292": in dem Vocabulariusoptimus steht XLIII, 47 »balsamita brunnenmüntz« und [in dem]von L. Diefenbach herausgegebenen Wörterbuch vom Jahr 1470S. 48 »balsamita balsamkraut«. Auch Konrad gebraucht essonst nicht, aber es konnte ihm um so eher bekannt sein, alses bildlich zur Verherrlichung der Jungfrau Maria angewendetward (vgl. Goldene Schmiede 193 und XLIII, 3 — 5): auchspricht er anderwärts (Troj. Krieg 10590. 20048) von einemGarten, da baisam inne blüejet: im Wittig vom Jordan heisstes (Gotha. Handschr. Bl. 21) ir tugent und ir güete gelicht dersüezen balsamblüete. Darf man noch weiter gehen, so würdeich, da mir das Blühen der Ehre etwas befremdlich klingt, beideZeilen lesen alsam ein balsamite blüejet sin vil süeziu jugent;vgl. Engelh. 3785. Turnier von Nantes 3, 3. Wenn Fragm.XXXIX, 37 wie im Reim auf zwic sich zeigt (der Text im Lieder-sal 3, 148 hat das Wort durch einen fehlerhaften Reim heraus-
J ) Noch eigenthümliche Redensarten im Gebrauch von wie; die Stellennochmals nachzusehen.