ALTDEUTSCHE GESPRÄCHE. 485
ferner 6 statt ü in guildo 30, endlich erro 31. 33 statt erre19. 28. [S. unten S. 502.] Der dritte, der mit Zeile 37 beginnt,bezeichnet w nicht wie jene durch gu, sondern durch cv; mansieht, es soll ein starker Hauch angezeigt werden. Er kennt dasanlautende h in habeo 39 und hütz 40, das jene meiden, undschreibt Zeile 40 g mit hartem Kehllaut gh. Ihm gilt est 37, demandern is 31. 33. Zeile 41 scheint, wie Dr Brunn ausdrücklichanmerkt, wieder von einer anderen, also vierten Hand. UerUmstand ist auffallend bei einem Stück von so geringem Um-fang, und man geräth auf den Gedanken, dass mehreren bei ein-ander sitzenden Schreibern eine alte Handschrift vorgelegenhabe, aus der sie diese Zeilen nahmen und deren eigenthüm-liche Buchstaben sie nachahmten.
Die Sprache zeigt eine niederdeutsche Mundart, aber einenicht entschiedene, nach dem Hochdeutschen überschwankende.Da das Einzelne hernach in den Anmerkungen vorkommen wird,so hebe ich hier nur den unsicheren Gebrauch der Lingual-laute hervor. Der erste Schreiber zeigt in obethe 1 und brothorl7die gothische und niederdeutsche aspirata: in lande 20 die go-thische media, die aber auch im Althochdeutschen neben der tenuiserscheint: anlautend die althochdeutsche media in dar 22. 23. 26,daneben gothisch thär 27: niederdeutsch däden 22 statt derhochdeutschen tenuis. Auffallend ist im Anlaut die tenuis inti 26. Das hochdeutsche z, nicht das niederdeutsche t in zun-guen 6 und ze 24. 28 neben te 16: ebenso enbet 23; auch diePräpos. üt ist anzunehmen, wie ich zu Zeile 18 ausführenwerde. Zeile 22 gusez, Z. 30 guaz nicht guat und Z. 32 gueznicht guet. Der Schreiber von Zeile 37 — 40 hat din, dagegen 428tine in der letzten Zeile entspricht dem ti in Zeile 26. Diese 16Mundart gehört in das nordwestliche Deutschland, bestimmtersie zu bezeichnen wage ich nicht, gu für w weist nach demNiederrhein, das trübe ä für a und die volle Form garabe nachAngeln. [S. unten S. 508.]
Ich gehe zur Erörterung des Einzelnen über.
1. houbit steht in allen deutschen Sprachen fest, denndie angelsächsische Nebenform heafde, die im Sprachschatz 4,S. 755 angeführt wird, ist aus den Stellen bei Lye Manning