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3 (1883)
Seite
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362 DIE SAGE VON ATHIS UND PROPHILIAS.

Schuld abtragen und ihm seine liebste Frau geben. In derNacht werde er sie senden, damit er eine Unterredung mit ihrhabe, und er solle sie nur heirathen, wenn sie ihm gefalle.Es ist Sei'neb, die erscheint und die ihm die Versicherung er-theilt, dass der König, sobald er ihre Liebe zu ihm erkannt,seine Bewerbung aufgegeben habe. Nassiraddole überhäuft ihnmit Reichthümern, und in Bagdad wird seine Unschuld an-erkannt.

9. Ich muss noch eines Negermärchens gedenken, dasS. W. Kölle (African native litterature or proverbs, tales, fablesand historical fragments in the Kanuri or Bornu language.London 1854, S. 122) aus mündlicher Überlieferung auffasste.Der Sohn eines Reichen und der Sohn eines Armen lebenvon Kindheit an in innigster Freundschaft. Der Reiche hat vierFrauen, der Arme kann seiner Dürftigkeit wegen keine nehmen.Der Reiche* gibt ihm fünf Pfund Kupfergeld und sagt ihm, ersolle zu seinen Frauen gehen und bei jeder anfragen, ob sieihn insgeheim lieben wolle. Die erste, die Hauptfrau, weist ihnzurück, ebenso die zweite und dritte, aber die vierte willigt einund erklärt, dass sie Liebe zu ihm empfinde, worauf er ihr diefünf Pfund gibt. Der Arme stattet seinem Freund Bericht ab:dieser spricht: »Komm morgen Abend zu mir, und wenn ichZank mit meiner Frau anfange, so mische dich nicht hinein«.Als nun beide Jünglinge zusammensitzen und essen, lässt derReiche die vierte Frau rufen und heisst sie, ihm gleich Wasserzum Waschen bringen. Sie antwortet: »Bin ich deine Sklavin,dass du so sprichst?« Es erhebt sich ein Zank zwischen beiden,und die Frau verflucht den Mann. Da spricht er: »Geh undverlass mein Haus, ich habe weiter nichts mit dir zu schaffen«.Die Frau nimmt ihre Sachen und geht in das Haus ihres Vaters,der nichts von der Verabredung der beiden Freunde weiss. Siesoll dann die Frau des Armen werden. Der Reiche giebt ihmzwanzig Pfund Kupfergeld, um sich dafür bei dem Priestertrauen zu lassen, auch die nöthigen Kleider. Am folgenden Tag200 geht der Arme zu seinem Freund und kündigt ihm seine Ver-heirathung an. Dieser ist erfreut darüber und versichert, dassnichts in der Welt ihre Freundschaft auflösen könne. Darauf