DIE SAGE VON ATHIS UND PROPHILIAS. 355
begangen. Er soll enthauptet werden, aber der wahre Thätertritt auf und erklärt, jene beiden seien unschuldig, er sei derVerbrecher. Als die Wahrheit davon dargethan ist, sprechendie Richter nicht bloss die beiden Freunde, sondern auch denSchuldigen frei. Der Christ nimmt seinen Freund liebevoll auf,bewegt ihn sich taufen zu lassen und gibt ihm eine Verwandtezur Frau mit der Hälfte seiner Reichthümer.
6. Wesentliche Verschiedenheit von Alfonsus zeigt eineErzählung der 1001 Nacht. Die Hauptperson ist hier Attafder Grossmüthige. Giafar, der Barmekide, Grosswesir des Ka-lifen Haroun Alraschid, verlässt Bagdad auf Befehl seines Herrn,in dessen Ungnade er gefallen zu sein scheint, und begibt sichnach Damas. Dort ersucht ihn der in Glanz und Reichthumlebende Attaf, bei ihm einzukehren, bewirthet ihn auf das Präch-tigste und mit solcher Aufmerksamkeit, dass er keinen Augen-blick von seiner Seite weicht. Als Giafar ohne seine Begleitungin der Stadt umherzugehen wünscht, überreicht er ihm zuvorseinen Geldbeutel. Giafar, nachdem er die Stadt durchwanderthat, setzt sich ermüdet auf eine Bank in einer Nebenstrasse,wo ihm gegenüber ein Fenster sich öffnet und eine Frau vonentzückender Schönheit sich zeigt. Während sie die Blumenvor dem Fenster begiesst, hat er Zeit sie zu betrachten: als sieihn bemerkt, tritt sie zurück. Giafar, von der heftigsten Leiden-schaft ergriffen, harrt in der Hoffnung, sie werde wieder er-scheinen, bis es dunkel wird. Schlaflos bringt er die Nacht zuund erkrankt. Der herbeigerufene Arzt entdeckt dem Attaf,dass Liebe die Krankheit seines Gastes veranlasst habe, die,wenn sie nicht bald Befriedigung erlange, in wenigen Tagen ihntödten werde. Giafar erzählt dem Attaf umständlich, was ihmbegegnet ist, und dieser bemerkt alsbald, dass es Zuleika, seineFrau, gewesen ist, die Giafar gesehen hat. »Ich kenne,« sprichter zu ihm, »den Gegenstand eurer Liebe, es ist eine von ihremGemahl geschiedene Frau. Ich werde sogleich zu ihrem Vatergehen und ihn bestimmen, ihre Hand keinem anderen zu ver-sprechen«. Attaf begibt sich hierauf zu der Zuleika und er-sucht sie, einen Besuch bei ihrer Mutter zu machen, die er-krankt sei. Zuleika eilt zu ihr hin, findet sie aber gesund.
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