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3 (1883)
Seite
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ATHIS UND FROPHILIAS. 265

kämpft er für ihn, um ihm zu dem Besitz seiner Schwester zuverhelfen.

Die Sage von zwei Freunden zeigt sich in vielfachen Ge-staltungen bei mehr als einem Volk und scheint auf dem durchVermischung des Bluts feierlich geschlossenen Bund zu beruhen,der schon in frühester. Zeit bekannt war. 1 ) Die verbreitetste,vielleicht auch die älteste ist die Dichtung von Amicus undAmelius, die uns eben durch Haupts treffliche Ausgabe vonKonrads Engelhart nahe gerückt ist*); sie dauert noch heut zuTage in mündlichen Überlieferungen fort. Nachweisungen lieferndie Anmerkungen zu den Hausmärchen No. 6. 60. 85. 122 ("Bd 31822), die von Simrock (Übersetzung des armen Heinrichs 1830)und von Keller (Li romans des sept sages 1836, p. CCXXXI—CCXLVI und Diocletian des Hans von Bühel 1841, S. 63. 64)fortgeführt sind 2 ). Welche weitere Bildung die Sage immerauch empfangen hat, der Grundgedanke bleibt, dass der eineFreund bereit sein muss, dem anderen das Beste und Liebste,das er besitzt, selbst das Leben zu opfern: das Schwierige desVerhältnisses tritt erst hervor, wenn dabei die Grenzen desRechten und Erlaubten müssen überschritten werden. Die Sagefordert nicht bloss diese unbedingte, auch die Sünde nichtscheuende Hingebung, sie führt sie herbei, um die Treue alsden einzigen Hebel aller Handlungen darzustellen. Je mehrsich aber späterhin selbstbewusste Umdichtungen bemühen, dieÜberlieferung mit den Gesetzen der Sittlichkeit in Überein-stimmung zu bringen, desto greller und verletzender tritt derWiderspruch hervor, wie Konrads Engelhart deutlich genugzeigt; selbst im armen Heinrich hat die seelenvolle Auffassungnicht allen Anstoss wegschaffen können; der Dichter des Athis,um sich zu helfen, greift den Inhalt der Sage mit grösserer Eigen-

') [Zum Folgenden gibt W. Grimm noch diese Citate:] * Taeit. Annal. 12,47. Weimar. Jahrb. 1, S. 417. Wackern. Leseb. 1, S. 982—9S6. Negermärchenbei Kölle. Ms. Hag. 4, S. 273. Berlin. Jahrb. 7, S. 323-324. Geschichte derdeutschen Sprache S. 130—131. Gödeke Gengenbach S. XIV.*

*) [Haupt 4, S. 558. Jacob Grimm.]

2 ) Wer sonst noch Citate sucht, findet sie reichlich bei Grässe über diegrossen Sagenkreise des Mittelalters 1842, S. 348—350. »Abels Paul. Diac.p. XXIII. *