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3 (1883)
Seite
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ATHIS UND PROPHILIAS. 241

geben scheint nicht rathsam, da in den angeführten klingendenReimen der lange Vocal fast immer vorangestellt ist, um denLeser oder Hörer zu nöthigen, den folgenden kurzen als einengleichschweren zu betrachten; es war also hier ein Gefühl vonder Verschiedenheit vorhanden. Im Übrigen sind die Reimegenau, auch in dieser Hinsicht lässt sich der Dichter des Athismit Herbort und Otto in eine Linie stellen: aus gleichem Grundescheint mir Servatius der Zeit nach nicht weit von beidenzurückzustehen. Den Servatius kann ich aber mit dem GrafenRudolf, wo der freiere Reim noch häufig genug angewendetwird, unmöglich in eine Zeit, noch weniger aber letzteren in denBeginn des dreizehnten Jahrhunderts setzen, wohin wohl dasGedicht von Frau Treibe gehört, in welchem (insoweit man ausden kurzen, unzusammenhängenden Stücken schliessen darf)Reime und Versmass ausgebildet sind. Die Reime üffin: sluffinA 9. todis: brodis A 19. vanin: anin E 91. tuoz: muozF 129 sind Lachmanns Regel (zu Iwein 2112) gemäss: abermuotir: tuotir F 43 wird dort als kunstlos bezeichnet.

VI.

Über die Ereignisse schnell oder mit blossen Andeutungenhinwegeilend, weilt der Dichter des Athis gerne bei der Be-schreibung des Einzelnen, am liebsten bei der Schilderung undEntwickelung innerer Gemüthszustände; hier scheint ihm dereigentliche Gehalt, wenigstens der Glanzpunkt der Poesie zuliegen. Er malt mit Umständlichkeit die Rüstung des kampf-bereiten Prophilias aus (B 1970) oder die Kleiderpracht derneuvermählten Gaite (D 130169). Dies möchte noch hin-gehen, da beide Hauptpersonen sind, aber er verräth seine An-sicht in der Besorgnis mit der Erzählung der Ereignisse seinenZuhörern lange Weile zu machen (D 1521) und in der Ängst-lichkeit, mit der er sich mehrmals (D 88. 112. 114. 126. E 108)daran erinnert, dass er seine Rede kürzen müsse. D a für schwelgter in der Schilderung des inneren Schmerzes, den der unglück-liche Athis in der Felsenhöhle empfindet, oder der Gemüths-stimmung des todwunden Peritheus, der in einer langen Redeseine Gedanken und Gefühle offenbart: aber auch die jung- "j 1

Vf. GRIMM, KL. SCHRIFTEN. III. 1 ß