ATHIS UND PROPIIILIAS. 223
seltener nöthig ist, auch im Graf Rudolf 1 ) Kürzungen annehmen(vorausgesetzt, dass wir nicht eine Überfüllung von Senkungendarin finden müssen, die Lachmann in der Abhandlung überalthochdeutsche Betonung S. 2 schon in den sächsischen Dich-tungen des neunten Jahrhunderts beklagt), so hat sie der Dichterim Umgang mit Oberdeutschen sich angewöhnt: der Dichter 356des Athis meidet sie, wie wir sehen werden, noch mehr der 12niedersächsische Berthold, der bei dem Versmass auf die ein-tönige Gleichförmigkeit der oberflächlichen Regel ausgeht undin dieser Hinsicht dem etwas späteren Konrad von Würzburgziemlich nahe steht. Auch die zarteren Lautverhältnisse ver-rathen die heimathliche Aussprache. Deutlich tritt im Athis,wie bei Herbprt und Lambrecht der leichtere Übergang derVocale hervor: e, e und i, a und o, u und o, selbst u und isondern sich nicht scharf von einander und berühren sich imReim. Der Diphthong iu, dessen Aussprache ohnehin einefeinere Auffassung forderte, ward nicht gefühlt, und die alteUnterscheidung, welche die Declination im Genus damit be-wirkte und die im Annolied noch erhalten ist, gieng bei jenenwie bei anderen zu ihnen gehörigen Dichtern verloren. Ichwill nur einige Beispiele anführen, gewöhnlich findet man hierdie, di: das alte diu haftete in dem adverbialischen von du(Hartmanns Credo 1125. 1493. Rother 734. 4553. LambrechtsAlexander 2920), ze du (Litanei 627. Lambrecht 243): sonsterscheint in Hartmanns Credo, der etwas älter sein mag, nurvereinzelt diu (2223), siu (720. 2151. 2215. 2349) und siu alleinin dem mittelrheinischen Pilatus (Vorrede S. 2. 84. 99): drü-hundert im Grafen Rudolf (12, 20) ward durch die Zusammen-setzung geschützt 2 ). Nicht gehört wurden die Umlaute ö und ü,oe und üe. Endlich lässt sich aus der eigenthümlichen Stellungdieser Sprache der auffallende Gebrauch doppelter Wortformenerklären, der noch späterhin bei Konrad von Würzburg auf-fällt 3 ); in den Bruchstücken von Athis finden wir, ausser scaft,scaf und scacht, auch antliz und antlütze (E, 105. 137), banier
') * Vergl. S. 5. «
2 ) *drü Passional 339, 63. 368, 74. Marienleg. 130, 65.*
3 ) «Renner brenget und bringen, vergl. S. 13.«