202 DER EPILOG ZUM ROLANDSLIEDE.
Diesen Epilog enthält bekanntlich die pfälzische Handschrift,die meiner Ausgabe des Gedichts zu Grunde liegt, allein. Ichstelle ihn mit einigen Verbesserungen voran, weil ich Veran-lassung habe, ihn näher zu erläutern.
Der Dichter beginnt damit dem Herzog Heinrich, unterdem, wie ich in der Einleitung (XXXI. XXXII) ausgeführthabe, nur Heinrich der Löwe kann gemeint sein, Gottes Lohnzu wünschen, weil man ihm die Bekanntschaft mit dem Gedichtverdanke, dessen Inhalt schön und voll Süssigkeit sei. DerHerzog liess das in Frankreich und in französischer Sprachegeschriebene (wahrscheinlich sorgfältig verwahrte) Buch herbei-bringen (füre tragen 308, 15, vor in der Handschrift ist nieder-deutsch. Vergl. Graf Rudolf A, 10), und zwar auf Begehrender Herzogin (308, 17). Ich habe Unrecht gehabt, dieses Be-gehren auf die deutsche Übersetzung zu beziehen; die Herzoginkannte schwerlich schon den Inhalt und trug zunächst nurVerlangen, die Handschrift zu sehen, die vielleicht mit Bildernausgeziert war. Möglich, dass auch sie die Übersetzung an-regte, denn es ist von mehreren die Rede, denen dafür, dasssie des Gedichtes gedacht haben (308, 24), was freilich ein all-gemeiner Ausdruck ist, die ewige Freude des Himmels zuge-sichert wird. Das Reich, heisst es weiter, ist damit geehrt, dass284 man das Lied in deutscher Sprache dichtete (für brähte, zuStande brachte, vollendete, 308, 25—27). Indessen war es dochwohl der Herzog, der den Auftrag ertheilte, denn es heisst vonihm allein (308, 28), sine tilgende twungen in dar zuo. Wennein so hoher Werth auf das Werk gelegt wird und ein sogrosser Lohn für die Mittheilung desselben in Anspruch ge-nommen, so muss man bedenken, dass es, wie kein anderes,den Kampf der Christen gegen die Heiden verherrlichte undals die höchste Pflicht tapferer Männer darstellte. Ist dasdeutsche Gedicht, wie ich wahrscheinlich gemacht habe, in denJahren 1173—1177 entstanden, so musste der von seinem Zugnach Palästina zurückgekehrte Herzog, wie sein ganzer Hof,besondere Theilnahme dafür empfinden.
Nun geht der Dichter auf das Lob des Herzogs über. Erweiss ihn nur mit dem König David zu vergleichen. Wie