198 I> IE SAGE VOM URSPRUNG DER CHRISTUSBILDER.
LUCAS • QUAE ROMAE HABETUR IN TEMPLO SANC-TAE MARIAE MAIORIS. Auf der einen Seite des Kopfessteht AT auf der anderen MPA, was wohl den griechischenUrsprung verräth. Es erscheint als Gegenstück zu dem Christus-bild in S. Silvester, hat gleiche Grösse und ist ganz in dem-selben Geist und Stil aufgefasst. Auch hier ein Kopf ohneHals, von kleinen Goldstrahlen umgeben, mit einem dunkelnTuch umbunden, unter welchem die in der Mitte der Stirnegescheitelten, mit einem Perlengehänge gezierten dunkeln Haaresichtbar sind: dahinter dieselbe Verzierung in Kreuzesform.Der Ausdruck der zartesten Jungfräulichkeit verbreitet überdas Ganze eine eigenthümliche Schönheit, die selbst durch dieunverhältnissmässige Länge der Nase nicht gestört wird. Dabeidie höchste Ruhe, keine Spur irdischer Anregung. Was Nice-phorus Callistus bei der Beschreibung Christi sagt, er sei seinerMutter in allem ähnlich gewesen (xaxdc mxvxa 8s 7Jv sjxcpspyj? -qjöet'cf. xat Tuavaaiu'Xij) exet'vou [x-qxpf), das trifft hier vollkommenein. Ich glaube, man darf in diesem Bilde den reinen byzan-tinischen Typus sehen, der mir noch in Raphaels Madonna, dieJardiniere genannt, deutlich durchzuleuchten scheint.
174 VIII.
Ich berühre noch zwei andere, minder wirksame und, allemAnschein nach, spätere Versuche, die Echtheit der Christusbilderzu begründen.
Nicodemus soll ein Bildhauer gewesen sein, wovon dieEvangelien keine Andeutung enthalten, und was, bei demWiderwillen der Juden gegen die Kunst, an sich sehr unwahr-scheinlich ist. Er soll, nach dem Vorbilde des auf das Tuchabgedrückten Antlitzes Christi, ein Bildnis in Holz geschnittenhaben. An dieses Bild knüpft sich dann ein Wunder: als dieJuden es mit einem Speer verletzten, floss Blut heraus. DieLegende taucht erst nach dem achten Jahrhundert auf; Reiskehandelt davon p. 134—448. Sie ist für uns ohne Bedeutung,da der Typus des Bildes zu Edessa vorausgesetzt wird. Wennin Lucca noch heutzutage ein Bildnis Christi verehrt wird, vondem man glaubt, Nikodemus habe es in Stein gehauen (Fio-