] 96 DIE SAGE VOM UBSPRUNG DER CHRISTUSBILDER.
geht bis zum Jahr 963). Er bemerkt in dem Leben der Heiligen(bei Surius 18. October), dass Lucas, der Apostel, das BildnisChristi und seiner Mutter gemalt habe. Eadmerus in seinerhistoria novorum (geschrieben um das Jahr 1122, s. Acta sanctorura21. April p. 898 n. 11) erzählt, dass König Wilhelm, Sohn desEroberers, den Schwur »per sanctum vultum de Luca« ge-braucht habe. Aus einer Urkunde vom Jahr 1160 (bei Savioliannali di Bologna 1, 2, p. 262) erhellt, dass ein von dem172 Evangelisten Lucas gemaltes Bildnis der Jungfrau Maria inBologna sich befand, das ein griechischer Eremit von Constanti-nopel dorthin gebracht hatte. Papst Gregor IX Hess imJahr 1234 folgende Inschrift setzen (Reiske p. 123): hoc in sa-cello Salvatoris nostri effigies, a B. Luca depicta, venerationetarn debita quam devota custoditur. Thomas de Aquino (f 1274)sagt ebenfalls (part. 3. theol. quaest. 35. art. 3. n. 4), zu Rombefinde sich ein Bildnis Christi, das der heilige Lucas gemalthabe. Aus dem folgenden Jahrhundert ist Nicephorus Callistusanzuführen, der mehrmals (hist. eccl. lib. 2, c. 43. lib. 14, c. 13.lib. 15, c. 14, vergl. Gretser c. 18) den Apostel Lucas einenMaler nennt und hinzufügt, man sage, er habe die Bildnissevon Christus, seiner Mutter und der Apostel gemalt, die her-nach in alle Welt ausgegangen seien. Sixtus von Siena (f 1569)gedenkt (biblia sacra 2, p. 103) einer Nachbildung des Gemäldes,das der Apostel Lucas verfertigt hatte. Die allgemeine Ver-breitung der Sage im Mittelalter ergibt sich auch daraus, dassschon im dreizehnten Jahrhundert in Rom und in anderenStädten Italiens eine Brüderschaft von Malern den ApostelLucas zu ihrem Schutzheiligen wählte (Fiorillo 1, S. 243. 332. 451,Platner in der Beschreibung von Rom 3% S. 361).
Überblickt man diese Zeugnisse, so kann man an demfrühen Dasein der Sage nicht zweifeln, und die Vermuthung,dass Simeon Metaphrastes sie aufgebracht, oder dass ein Maler,Luca Santo genannt, die Bilder verfertigt habe (vergl. Fiorillo1, S. 50—53, Rosini 1, S. 72), fällt von selbst. Die ältesten Zeug-nisse reden zwar nur von dem Bilde der Jungfrau, doch derMönch Michael spricht bereits von dem des Heilands, und es