] 1 4 ZUR LITTERATUR DER RUNEN.
mittelsten steht unrichtig für ac. Ich würde es als eine zu-fällige Probe von dem Gebrauch des Runenalphabets ansehen,*)wenn ich nicht in der Zeichnung des Herrn Dr Pertz (ich er-laube mir dieses Umstandes im voraus Erwähnung zu thun)folgende Anmerkung, die im Kodex noch darüber steht, gefunden- x/ hätte: isti tres cara .... (caracteres) ad numerum tantum perti-nent, und dahinter S q f. Bezieht man diese Bemerkung aufdie Runen, so hat man bei ear \f/ und calc ffo um so mehrUrsache dazu, als es ohnehin schwierig ist, für diese Zeicheneinen Laut auszumitteln, auch wohl bei ac, wenn man a und änicht unterscheiden will, was die nordischen Runen unterlassen.Bezieht man sie aber auf die drei anderen Zeichen S q t, sofragt sich: stellen sie ein S, Q und T vor, oder sind sie ausdem griechischen Alphabet entnommen? Das q und t" habenwir bei den gothischen Ziffern als kk(aiq\i,a von 90 und 900kennen lernen, für sie also könnte die Bemerkung wahr sein,29 aber für S nicht, das als Lautbezeichnung unentbehrlich undnothwendig ein wahrer Buchstabe ist. Steht aber S, q und fda, um, wie im Griechischen, 200, 90 und 900 zu bezeichnen,so wäre zu vermuthen, es sollte dadurch die Geltung von ^f,\? und nS angedeutet werden, und diese Erklärung, die uns zu-gleich über etwas bisher noch Unbekanntes belehrte, scheintmir die natürlichste.
Endlich hat Herr Dr Pertz in einem anderen St. GallerKodex (No. 127 in Fol.) aus dem neunten Jahrhundert, welcherS. Hieronymi comment. in Matthaeum enthält, an dem Endedes vierten Buchs noch sechs gross und schön geschriebeneRunen gefunden und wird sie bekannt machen. Vermuthlichsteckt der angelsächsische Eigenname Hrodgar darin.
10) RUNEN AUF GOLDBRACTEATEN.
Das Museum zu Kopenhagen besitzt einige fünfzig StückGoldbracteaten mit reichen Zieraten, Schlangenwindungen, Fi-guren und Inschriften, welche zu den grössten Schätzen derSammlung gezählt werden. Bekannt ist bis jetzt noch nichts
*) [Myth. 134. J. Grimm.]