52bestimmung selbst zu erstreben. Sie liefert durch die äußereLeitung und Einwirkung den Anfang in Erreichung der Men-schenbestimmung und legt den Grund zu der selbsteigenen Be-strebung in den spätern Jahren der Mündigkeit. Sie beginntdaher schon mit der zartesten Jugend, sobald sich der mensch-liche Geist zu entwickeln anfängt und das Selbstbewußtsein er-wacht. Denn wie es für den mündigen Menschen keinen Zeitpunktgibt, wo er vom Erstreben seiner Bestimmung ablassen darf,so gibt es für die Aeltern keine Zeit, wo sie der Bildung desim Kinde erwachenden Menschen ihre Sorge entziehen dürften.Der Verschub hierin wird auch dadurch bedenklich, daß diefrüher entwickelte und erstarkte Sinnlichkeit leicht das Ueber-gewicht über den Geist erwirbt und zu einer Herrschaft gelangtwelche den Geist nicht aufkommen läßt. „Zärtle mit dem Kinde,so mußt du dich hernach vor ihm fürchten; spiele mit ihm, sowird es dich hernach betrüben.“ 1) Schon der Anfang abermuß auf das berechnet sein, was erreicht werden soll: daßnämlich Gottes Ebenbild im Kinde allseitig herangebildet undin seiner ganzen Schönheit entfaltet werde. Alle Kräfte müssengleichmäßig angeregt und entwickelt werden. Denn der Menschist nicht bloß ein denkendes Wesen, sondern er hat auch einHerz, das zur Liebe geschaffen ist, und freien Willen, sich ausund durch sich selbst zu bestimmen. Jede einseitige Entwickelungder einen Kraft geschieht nicht nur auf Kosten der anderen,sonderen ist auch eine Verzerrung des Ganzen. Der Menschmuß zu einem freien Wollen nach der Erkenntniß der Wahr-heit und nach reiner Liebe aus Herzensgüte erhoben werden.Alsdann erst ist er gehörig gebildet und die Aufgabe der Er-ziehung gelöset; und dieses Ziel muß wie ein Leitstern bei demganzen Geschäfte vor Augen gehalten werden. Hierin aberwerden die größten Fehlgriffe gethan, deren Folgen jetzt dieWelt büßet und noch büßen wird, wenn die Aeltern nicht zueiner besseren Einsicht kommen. Unsere Jugend wird im All-gemeinen Vieles gelehrt. Das ist nicht zu tadeln, vielmehrgut und zweckfördernd. Die mannigfache Uebung im Denkenund der Erwerb verschiedener Kenntnisse entfalten und stärkenihre Geisteskräfte; sie wird befähigt, die höheren Wahrheitenschneller und bestimmter aufzufassen, und in den Stand gesetzt,sich einstens im Leben mit mehr Leichtigkeit und Sicherheitdurchzubringen und den Berufsgeschäften nachzukommen. Alleindieses Alles ist nur Mittel und Nebensache; die Hauptsacheist, daß dem menschlichen Geiste nach dem ihm inwohnendenBedürfnisse die übersinnliche Welt nach dem ganzen Umfangeder Wahrheit aufgeschlossen und er in sie hinein versetzt werde.1) Eccle. III. 9.
Druckschrift
Sammlung der gesetzlichen Bestimmungen und Vorschriften des Elementar-Schulwesens im Bezirk der königl. Regierung Düsseldorf, nebst e. histor. Einl. in die Verwaltung des öffentl. Unterrichts aus den Zeiten des Churfürsten Carl Theodor bis auf das Todesjahr König Friedrich Wilhelm III., 1794 - 1840
Entstehung
Seite
52
Einzelbild herunterladen
verfügbare Breiten