51gedeihlichem Wachsthum, dem Himmel wieder zurück erstattenmuß. Was kann demnach die älterliche Liebe den Kindern Bes-seres und Vorzüglicheres verschaffen, als eine gute Erziehung,wodurch das gottliche Ebenbild in seinen Anlagen entwickeltund vollkommen dargestellt wird? Wo gibt es einen Gegenstand,für den sie williger und freigebiger ein Opfer bringen sollte?Daß die Aeltern für Gesundheit und Lebensunterhalt ihrer Kin-der sorgen, ist gut und löblich; allein Leben und Gesundheitselbst sind für sie nur in so fern ein Gut, als ohne sie diegeistige Bildung nicht möglich ist und nicht gedeiht. Wo dieseverwahrloset wird, wäre es für Aeltern und Kinder besser, wenndiese nicht geboren wären, wie geschrieben steht; „Es ist besser,ohne Kinder sterben, als gottlose Kinder haben.“1) Wie könnenAeltern Entschuldigung finden, wenn sie diese Pflicht verabsäumen?Können sie Armuth vorschützen? Wenn sie die wahre Liebehätten, so würden sie auch dieses Hinderniß besiegen; sie wür-den um so fleißiger arbeiten, auch sich selbst an Nahrung undErholung einen Abbruch thun, um dasjenige zu bestreiten, wasdie Kindererziehung nothwendig macht. Und ein wie wohlge-fälliges Fasten wäre das vor Gott! was für ein duftendesOpfer im Angesichte des Himmels! Was ist das aber füreine Aelternliebe, welche größern Werth auf den Gewinn, vonder Kleinen noch schwachen Händen, als auf ihre Seele legt?oder die Ersparnisse lieber zu sinnlichen Vergnügungen verwen-det, als auf Erziehung der Kinder? Wie werden solcheAeltern einstens vor Jesus Christus bestehen können? Armuthwird auf Erden oft vorgeschützt, wo es bloß an gutem Willenfehlt; vor Gott aber, der nach dem Verdienst erkennt, kann soein Vorwand nicht geltend gemacht werden. Wo indessen gänz-liche Unvermögenheit obwaltet, wird es nicht an Wohlthäternfehlen, wenn es nur die Aeltern nicht an Liebe fehlen lassen.Unter Gottes gnädiger Waltung wird sich kein Mensch beiernstlichem Willen außer Stand gesetzt finden, die ihm aufer-legten Pflichten zu erfüllen, und niemals insbesondere könnengesunde Eltern die Versäumnisse in Erziehung der Kinder ihrerLage zuschreiben, sondern sie fallen ihnen selbst zur Last.Wie weit ſich aber die Erziehungspflicht der Aeltern er-strecke, und was durch die Jugendbildung zum Mindesten müssegeleiſtet werden, verdient eben ſo ernſtliche Beherzigung. Dennnicht Alles, was Erziehung genannt wird, verdient diesen Na-men, und durch eine verkehrte Erziehung wird eben so vielUnheil angerichtet, als durch Versäumnisse dieser Pflicht. Durchdie Erziehung soll das Kind in den Stand gesetzt werden, ein-stens, wenn es zur Selbstständigkeit gelangt ist, seine Menschen-1) Eccle. XVI. 4.
Druckschrift
Sammlung der gesetzlichen Bestimmungen und Vorschriften des Elementar-Schulwesens im Bezirk der königl. Regierung Düsseldorf, nebst e. histor. Einl. in die Verwaltung des öffentl. Unterrichts aus den Zeiten des Churfürsten Carl Theodor bis auf das Todesjahr König Friedrich Wilhelm III., 1794 - 1840
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51
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