32Und finden sie zweitens in ihren Pflegeschulen einen Jünglingvon vorzüglichen Anlagen, dem nur seine Bestimmung aus ei-genem Lichte nicht klar geworden, oder der nicht die äußernMittel besitzt, sich ihr hinzugeben, so ist ihrer Wirksamkeit einneues, schönes Feld eröffnet. Indem sie einem solchen, wennihre Lage es sonst erlaubt, aus Liebe zur Sache besondereSorge widmen, oder ihm vom Staate die Mittel seiner Fort-bildung verschaffen, ziehen sie dem Vaterlande Pflänzlinge auf,deren es sich dereinst als starker Stämme zur Schutzwehr gegenden Wind fremder Lehre und Sitte und Leichtfertigkeit zu er-freuen haben wird.8) Endlich, — die mittleren Behörden stehen auch zwi-schen denen, welchen die obere Leitung des Erziehungs-wesens anvertraut ist, und dem ganzen Volke, dessenJugend erzogen werden soll; und dieser ihr Standpunktmöchte leicht von allen der wichtigste seyn.Wenn wir oben den Lehrer als Haupttriebfeder im Er-ziehungs=Ganzen nannten, so geht das soweit, als die Bedeut-samkeit des Einzelnen überhaupt für dasselbe reichen kann.Aber es steht noch etwas Mächtigeres über ihm, und umfaßtihn mit; es ist der Geist der in dem Ganzen weht, zu welchemer gehört, der Geist seiner Zeit, seines Volkes, seiner Gemeine.Dieser Geist bildet oder verbildet, hebt empor, oder beugt zurErde, und fördert, oder erschwert unendlich die Wirksamkeitder Schule. Kann dieser Geist, namentlich in Bezug auf dieErziehung, veredelt, kann Liebe und Achtung und Theilnahmefür ihre Zwecke erweckt werden, so ist ein Großes gewonnen.Hiezu vermögen aber die Schulpfleger sehr vieles. Zuerst könnensie durch die Achtung, welche sie selbst den Lehrern und denSchulen ihrer Bezirks bezeigen, dem Stande und der Sachedie Achtung verschaffen helfen, in welcher sie unter einemwahrhaft aufgeklärten Volke stehen sollen. Und ferner habensie, besonders die Religionslehrer, der Mittel viele in Händen,Vorurtheile und Verkehrtheiten zu brechen, das bessere Gefühlund hellere Einsichten zu erwecken, vorzüglich aber die bessereErziehung im Innern des Hauses zu befördern, welche dieschonste Stütze der Schule, und ohne welche diese fast ganzunnütz ist; so daß sie recht eigentlich lebendigmachende Mittel-punkte für ihren Umkreis werden können.Der Schulrath wünscht herzlich, daß die Pfleger und Vor-stände diese Andeutungen wohl auffassen, und daß dieselben inden ihrer Sorge anvertrauten Lehranstalten reiche Früchte brin-gen mögen.
Druckschrift
Sammlung der gesetzlichen Bestimmungen und Vorschriften des Elementar-Schulwesens im Bezirk der königl. Regierung Düsseldorf, nebst e. histor. Einl. in die Verwaltung des öffentl. Unterrichts aus den Zeiten des Churfürsten Carl Theodor bis auf das Todesjahr König Friedrich Wilhelm III., 1794 - 1840
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