28dieses Geschäft, das nicht ohne Beschwerde, und dabei mitkeinen äußeren Vortheilen verknüpft ist, zur Ehre des Vater-landes gern und willig übernehmen. Er beschränkt sich daher,da die allgemeine Schulordnung noch nicht erschienen ist, undauch erst nach genauer Prüfung von Orts= und Sachverhält-nissen erscheinen wird, vorläufig einige Hauptansichten, nachwelchen er den öffentlichen Unterricht schon von jetzt an einge-richtet und geleitet zu sehen wünscht, darzulegen.1) In dem Verhältniß der Pfleger und Vorstände zu demeinzelnen Lehrer ist nichts wesentlicher als daß die Erstern demLetztern auf die rechte Weise zu Hülfe kommen. Denn dadieser der unmittelbare geistige Lebensspender der Jugend ist,so kömmt es nicht sowohl darauf an, nur seinen Fehlern nach-zuspüren, als vielmehr, ihm durch alle Mittel Muth, Lust, Liebe,Freudigkeit in ſeinem Thun zu erhalten. Nicht aus Furcht,sondern aus dem eigenen innern Triebe wird das Beste geboren.Also sollen die Vorgesetzten dem Lehrer Freunde seyn, und injeder Weise mit ihrem geistigen Vorrathe aushelfen, sowohl imEinzelnen, als indem sie ihn, soviel möglich, auf den allgemei-nen Standpunkt stellen, von welchem jetzt das Heil des deut-schen Volkes ausgehen muß.2) Es ist nämlich an der Zeit, ein an Leib und Seelekräftiges Geschlecht zu bilden. Was Grundzug des deutschenWesens ist, muß vor Allem gepflegt werden: Gottesfurcht,Tiefe des Sinnes und Gemüthes, strenge Redlichkeit, feste An-hänglichkeit an dem anerkannten Guten, überhaupt, an alterSitte und Weise, Ernst, beharrlicher Forschungstrieb, Gründ-lichkeit, Scharfsinn u. s. w.Aber nicht weniger ist es nöthig, den Fehlern des National-Charakters entgegenzuarbeiten. Es soll daher die gutmüthigeEntsagung, welche uns so weit abwärts geführt hatte, vermin-dert und dagegen der edlere Nationalstolz gehoben werden, derſich auf das Bewußtſeyn einer großen Vorzeit und das Ge-fühl innern Reichthums stützt. Eben so soll die Erziehung derLangsamkeit des Gefühls wie des Verstandes zu Hülfe kommen,und überhaupt die Schnellkraft der ganzen Natur zu hebensuchen. Immer noch ist der Weg vom Wissen zum Könnenund von da zum Wollen bei uns zu lang gewesen. Doch seyhiermit der Seichtigkeit in allen dreien so wenig das Wort ge-redet, wie durch das Vorhergehende der persönlichen Selbst-sucht, welche leider eines von den Grundubeln des ganzenZeitalters (wir möchten gerne sagen, gewesen) ist; sondernder Stolz gehe auf das Allgemeine, zu welchem der Einzelnegehört; sich selbst aber stelle er nicht hoch, sondern suche sichvielmehr durch Strenge gegen sich selbst, und durch männlich=ge-diegene Ausbildung seiner ganzen Natur, seines Volkes würdig
Druckschrift
Sammlung der gesetzlichen Bestimmungen und Vorschriften des Elementar-Schulwesens im Bezirk der königl. Regierung Düsseldorf, nebst e. histor. Einl. in die Verwaltung des öffentl. Unterrichts aus den Zeiten des Churfürsten Carl Theodor bis auf das Todesjahr König Friedrich Wilhelm III., 1794 - 1840
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28
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