Druckschrift 
Geschichte und Litteratur der Stenographie
Entstehung
Seite
157
Einzelbild herunterladen
 

Die Stenographie bei anderen Völkern. 157

um die türkische Stenographie zur Anwendung gelangen zu lassen. Objemand Grünbaums Übertragung verwendet hat, ist nicht bekannt geworden.Dhionnet gründete 1877 das Journal La Turquie Stenografihique. InÄgypten soll De Vaujant-Bey vom Khedive beauftragt worden sein, dieDuploye'sche Stenographie zu lehren, auch soll ein Ingenieur der Suez-Com-pagnie, Herr Saint-Pierre de Montzaigle, die Duploye'sche Stenographiein Ismaila gelehrt haben. 1887 wurde dieses System an der Hauptschule zuTrapezunt von Geistlichen eingeführt.

Ein Armenier, J. H. Atanase Tiroyau, welcher in Italien dieGabelsberger'sche Stenographie kennen gelernt hatte, gab zu Venedig 1888eine Übertragung dieses Systems auf die armenische Sprache heraus. Auf diepersische Sprache soll H. Jantsch die Gabelsberger'sche Stenographie1865 übertragen haben, doch ist es zweifelhaft, ob Jantsch, der als Tech-niker in Wien an einem Lehrcurs der persischen Sprache Theil genommenhaben dürfte und später Schauspieler und Theaterdirector wurde, die per-sische Sprache erlernt hat.

Auf die Dinka-Negersprache wurde die Gabelsberger'sche Steno-graphie von Mitterrutzner angewendet, der einen Negerknaben zu erziehenhatte. Ob die Dinkaneger die Gabelsberger'sche Stenographie angenommenhaben, ist nicht bekannt geworden.

Auf die madagassische Sprache wurde Pitman's Phonographievon A. Taedie, dem Eigenthümer und Herausgeber der »Madagascar Times«übertragen, der ein Lehrbuch veröffentlichte und einen Curs leitete. Die Redender Königin sollen von einigen seiner Sclaven aufgenommen worden sein.

Japan, welches gegenwärtig die europäische Cultur eifrig nachahmt,konnte auch in der Anwendung der Stenographie nicht zurückbleiben; dochboten sich hier größere Schwierigkeiten als anderwärts, da neben der ge-wöhnlichen Umgangssprache noch eine Schriftsprache besteht, welche aufden chinesischen Zeichen beruht, was auch der Anwendung der europäischenCurrentbuchstaben im Wege steht. Die Umgangssprache soll nicht genügen,um tiefere Gedanken auszudrücken, und doch konnte nur diese der Stenographiezu Grunde gelegt werden. Der erste, welcher die Stenographie in Japan an-wendete, soll Minamoto Koki 1881 gewesen sein; er ertheilte in seiner Schule188287 in der Stenographie Unterricht, musste aber, nachdem er sein Ver-mögen der Stenographie geopfert hatte, den Unterricht aufgeben. Auchseine Versuche, Stenographenvereine zu gründen, hatten wenig Erfolg; seit1863 besteht ein kleiner Verein, dem Stenographen verschiedener Systemeangehören, denn auch hier bildeten sich bald verschiedene Richtungen aus,wie das System von Wakabagaschi Kanzo, das von Naotake Kanda u. a.Kanzo's Buch ist 1886 in zweiter Auflage erschienen. Das 1891 eingeführteParlament wirkte belebend auf diese Bestrebungen, es sind in demselben je17 Stenographen für Ober- und Unterhaus beschäftigt. Es wird jedoch be-richtet, dass vornehme Japaner ihre Reden auf einige einleitende Worte be-schränken und dann einen in der Schriftsprache abgefassten Vortrag demHause übergeben. An einer Handelsschule zu Tokio wird Stenographie gelehrt,ebenso an einer von der Staatszeitung begründeten Schule. Besonders starkeVerbreitung soll die Stenographie unter den Polizisten gefunden haben.

Von China wird berichtet, dass Pitman's Stenographie von Chinesenerlernt und angewendet werde. Was oben über die japanische Schrift-sprache gesagt wurde, gilt auch von der chinesischen. Man müsste ausserZeichen für Consonanten und Vocale auch musikalische Tonzeichen anwenden,