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Geschichte und Litteratur der Stenographie
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Ungarische Stenographie. 153

Doch die Neuzeit pochte immer energischer an die Landtagsthüren.Ludwig Kossuth gründete 1832 zur Veröffentlichung der Verhandlungen einegeschriebene Zeitung, indem er mit mehreren Gehilfen, darunter KarlHajnik, die Reden skizzierte und aus dem Gedächtnis ergänzte. Als die GrafenGeorg Andrüssy und Georg Kärolyi 1833 einen Preis für ein Lehrbuch derStenographie ausschrieben, bewarb sich nur ein Einziger, Martin Borsos, umdenselben, und er wurde ihm nicht versagt. 1839 er bot sich Hajnik, der von18321861 als Stenograph im ungarischen und siebenbürgischen Landtagearbeitete, diejenigen, welche sich der Stenographie widmen wollten, zu unter-weisen ; er schrieb nach Danzer. Einer seiner Schüler, Lukäcs, wendete Notvak'sSystem auf die ungarische Sprache an, veröffentlichte diese Arbeit aber nicht.Dagegen traten Stefan Dobrossy 1843 mit einer Bearbeitung des Taylor'schenSystems und Anton Gyurits 1844 mit einem Lehrbuch hervor. Gegen Endeder vierziger Jahre wurde es erst durchgesetzt, dass die Zeitungen Redenauszugsweise bringen durften, doch durften die Namen der Redner nichtgenannt werden.

Nachdem 1849 die ungarische Verfassung aufgehoben worden war,wurde die Stenographie noch zum Nachschreiben von Vorträgen angewendet,besonders das System Nowak. In Schemnitz lehrte der Bergakademiker KarlPohl diese Stenographie, welche dort auch Johann Markovits erlernte, dersie aber später, als er die Wiener Universität bezogen hatte, mit der Gabels-berger'schen vertauschte.

Das Jahr 1860 rief die parlamentarische Stenographie in Ungarn zuneuem Leben. 1860/1 stenographierte Hajnik die Verhandlungen des unga-rischen Landtags, unterstützt von einigen Stenographen der Nowak'schen,der Stolze'schen und Gabelsberger'schen Schule. 1861 veröffentlichte NicolausNagy ein Lehrbuch der ungarischen Stenographie nach NowaWs System,1868 Josef Bonyhay ein solches in Debreczin. Ludwig Gäszner suchte inseinem 1861 erschienenen Buche die Systeme von Stolze und Gabelsbergerzu vereinigen. 1863 erschienen Übertragungen des Stolze'schen Systems vonAdolf Fenyvessy und des Gabelsberger'schen Systems von Markovits, letzterezuerst in den »Österreichischen Blättern für Stenographie«, 1864 als Buch.Markovits, der schon in der deutschen Stenographie als Reformer auftrat,erlaubte sich bei seiner Übertragung des Gabelsberger'schen Systems vieleFreiheiten, doch hält er am Alphabet Gabelsberger's fest, da nach seinerMeinung das Alphabet »ein ziemlich untergeordnetes Kriterium bei Beur-theilung eines stenographischen Systems« sei. 1865 wurde das Stenographen-bureau des ungarischen Landtags von den Stolzeanern Emanuel Konyi undAdolf Fenyvessy, welche bereits unter Hajnik gearbeitet hatten, gebildet,doch mussten sie wegen Mangel an tüchtigen Kräften auch einige Steno-graphen nach Gabelsberger und nach Nowak aufnehmen. Die AnhängerNoivak^s bildeten keine Schüler heran und zogen sich bald zurück. 1869 ent-schloss sich Markovits, seine Lehrerstellen in Wien aufzugeben, um in dasungarische Stenographenbureau einzutreten. Vonjetztan dominierten in Ungarndie beiden Systeme von Gabelsberger und Stolze, sie wurden beide in denSchulen eingeführt, und eine königliche Prüfungscommission für Lehramts-candidaten der Stenographie prüfte die sich meldenden Candidaten nachdem einen oder dem anderen System. In der Verbreitung gewann dieGabelsberger'sche Stenographie die Oberhand. Letzteres dürfte die Ursachegewesen sein, dass Gyurman 1889 ein Lehrbuch der Stolze'schen Stenographieherausgab, welches wesentlich von dem Fenyvessy''s abwich, doch fand auchdieses wenig Verbreitung. Das Arends'sche System wurde 1873 von Prof.