Slavische Stenographie. 147
auf das französische Werk verwiesen wurde. Eine selbständige Arbeit lieferteder Baron Iwanin, welcher 1833 auf der Militärschule die Systeme vonGrosselin, Fosse und Jacotot (letzterer ist kein Stenograph, sondern derVerfasser einer Unterrichtsmethode) kennen gelernt hatte und nach 25 Jahren(1858) seine russische Stenographie auf Taylor'scher Grundlage veröffentlichte(H. Gr. S. 362). Beinahe die Hälfte seines Buches ist der Geschichte derStenographie nach Fosse gewidmet. Einer seiner Schüler, Artobolewski, gab1866/7 eme Zeitschrift heraus.
Im Jahre 1849 veröffentlichte Heger infolge einer Anfrage der russischenRegierung, ob seine Stenographie für die russische Sprache geeignet sei, denVersuch, die Gabelsberger'sche Stenographie auf die slavischen Sprachenanzuwenden und damit den Versuch einer russischen Stenographie aufdeutsch-stenographischer Grundlage; 1854 erfolgte die Übertragung vonJanowski und Messer.
Bisher hatte man in Russland noch nicht daran gedacht, die Steno-graphie zum Nachschreiben von Reden zu verwenden, sie vielmehr bloß alsein Mittel zur leichteren Besorgung des Schreibgeschäfts betrachtet. 1860wurde die Stenographie zum erstenmal von zwei Dilettanten verwendet, umeine Disputation der Akademiker Pogodin und Kostomarow aufzunehmen.In diesem Jahre erfolgten die Reformen Alexanders IL, welche beim Gerichts-verfahren die Anwendung der Stenographie als wünschenswert erscheinenHessen. Als nun vom Ministerium das Verlangen nach Stenographen ge-stellt wurde und sich zeigte, dass nur wenige vorhanden seien, schrieb dasMinisterium einen Concurs aus, welcher die Stenographen anspornte. BaronTornau und Hofrath Bradke, welche der Commission zur Feststellung derHauptgrundzüge einer russischen Stenographie angehörten, reisten nachDresden und lernten hier die Gabelsberger'sche Stenographie, welche sodannvon Baron Tornau und seinem Lehrer, Prof. Dr. Zeibisr, auf die russischeSprache angewendet wurde. Zur selben Zeit hatte Paul Olehin die Gabels-berger'sche Stenographie übertragen und wurde die Stolze'sche Stenographievon Paulson und Messer auf die russische Sprache angewendet. Bei derCommission liefen 28 Werke ein, worauf dieselbe sowohl die Übertragungvon Olehin, wie die von Paulson und Messer als für den Unterricht zulässigerklärte. Bei einem 1867 stattgehabten Wettschreiben sollen die nach demStolze'schen System Gebildeten bessere Leistungen gezeigt haben.
Die von Scliewljakoiv 1866 veröffentlichte Stenographie (H. Gr, S. 362)zeigt ein ganz eigenartiges Gepräge. Durch das Lehrbuch von Ustinojf(1869) erhielt der Gabelsberger'sche Zweig der russischen Stenographie eineAbschwenkung zu den Tendenzen der czechischen Stenographie, doch gabUstinoff die Verbreitung der Stenographie auf und wendete sich der Jour-nalistik zu. Temnikow schloss sich mit seiner Stenographie an Tornau-Zeibig an, während Dr. Vincenz Serzl aus Prag, Professor in Charkow,1866 eine sich ganz an die czechische Stenographie anlehnende Uebertragungverfasste, aber nicht veröffentlichte. Die Stolze'sche Stenographie wurde nochvon Plachoff 1864, Korenew 1866, Terne (Stenographie ohne Sigel) 1874,Grebennikow 1888 und Prof. Stanislaus Dlussky übertragen, von welchenbesonders der letztere eine rührige Propaganda entwickelte.
Auch in Polen herrschte französischer Einfluss. 1848 gab der RedacteurKasimir Krupski in Warschau Blands Okygraphie heraus, und 1863 nochveröffentlichte Felix Saxe eine Übertragung der Taylor'schen Stenographieauf die polnische Sprache. Die österreichische Verfassung von 1861 brachte
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