138 Die Stenographie im 19. Jahrhundert.
von den Schülern des ersten Unterrichtscurses, fast sämmtlich Studierende derUniversität, der erste italienische Stenographenverein gebildet,welchem bald andere in Triest, Vicenza, Mailand, Rom, Bologna und Venedigfolgten. Diese Vereine entwickelten eine eifrige Propaganda für ihr System,es gelang ihnen, das Wohlwollen der Regierung und der Unterrichtsbehördenzu erringen, ihre Stenographie in die Schulen einzuführen; nur das Steno-graphenbureau des Parlaments blieb ihnen verschlossen, da in dieses nurjünger der Delpino'schen Schule aufgenommen wurden.
Doch berichtet das »Magazin für Stenographie« (1894), dass vor kurzemmehrere Lehrstühle an den technischen Instituten aufgelassen wurden undeine Verminderung der von der Regierung an einzelne stenographische Ge-sellschaften gezahlten Unterstützungen eingetreten sei, was der Unterrichts-minister mit der Geringfügigkeit der Erfolge begründet habe, diebei zwanzigjährigem officiellen Unter r icht in diesem Lehr-fach erzielt worden seien. Es sei eine unleugbare Thatsache, dass von100 Zöglingen, die sich zu Anfang des Unterrichts einschreiben ließen, kaum7 oder 8 bis ans Ende kamen, die meisten fielen nach den ersten Stundenab, andere im ersten Monat, andere endlich bei Beginn der Satzkürzungs-lehre. Oskar Greco, der diese Auskunft erhielt, forderte infolge dessenseine Schriftgenossen auf, auf Abhilfe zu sinnen. Er selbst glaubt, dass dieUrsachen in den Schwierigkeiten des (Gabelsberger'schen) Systems liegen,das Handbuch des Prof. Noe enthalte beispielsweise für die Bezeichnungdes Vocals e im Worte 4 Regeln, für o 3 Regeln und 1 Ausnahme, füra 5 Regeln und 1 Ausnahme, für i 4 Regeln und 3 Ausnahmen, für u4 Regeln. Daneben beständen weitere Regeln für die Vocale zu Anfangder Wörter und bei Doppellauten, für deren jeden eine besondere Regelbesteht, so dass man ohne Berücksichtigung der Ausnahmen 22 Regelnzählen könne.
Schon im Jahre 1881 hatte Prof. Luigi Perelli in Mailand einenVersuch gemacht, die Stenographie Gabclsberger-Noe regelmässiger zu ge-stalten (H. Gr. S. 347). Sein Streben fand keine Anerkennung.
Das System Dnploye's wurde durch Domenico Rctfanelli auf dieitalienische Sprache angewendet, welcher Schüler heranbildete.
Wie bereits erwähnt, werden die Reden im römischen Senat mittelstMaschine aufgenommen, deren Erfinder Professor Antonio Michela ausCortereggio ist, der 1886 in Mailand starb. Die Urtheile über die Leistungendieser Maschine sind verwirrend verschieden. Herr Emilio Budau schreibtdarüber: Das zu lösende Problem war, eine Maschine herzustellen, mit mög-lichst wenig Zeichen ausgestattet, jedoch mit allen erforderlichen Worten,welche bei leichtester Schreibweise das stenographische Ziel erreiche. DieMaschine hat die Form eines kleinen H a rm o n i u m s mit einem Tastbrettevon 20 Tasten. Jeder Taste entspricht ein Hebel und jedem Hebel eine Type.Allein Bewegung gesetzten Hebel kommen in einem Punkte zusammen,und die Bewegung wird durch das Anschlagen einer der Tasten einembesonderen Mechanismus mitgetheilt, welcher das Papier trägt, auf welchesmit Farbe die Zeichen aufgedrückt werden. Eine grosse Frage ist: Wenndie Maschine bloß 20 Tasten hat, zwei jedem Finger des Schreibendenzugetheilt, müssen mit diesen 20 Tasten sämmtliche phonetischen WerteAufnahme finden. Die Anzahl dieser Werte fixierte Michela auf 74.Ausserdem müssen gleichzeitig, syllabisch, verschiedene dieser Wertegeschrieben werden können, sonst würde man auf die Nachtheile der Schreib-maschinen verfallen, welche, auf alphabetischen Grundsätzen beruhend, nur