120 Die Stenographie im 19. Jahrhundert.
rathen verwendeten Kanzlisten übten Silfverstolpe's System, welches von demPrivatgelehrten Götrek verbessert und 1847 veröffentlicht wurde.
In Norwegen, welches sich 1814 von Dänemark getrennt, mit Schwedenvereinigt, aber seine besondere Verfassung bewahrt hatte, wurden von amts-wegen über die Verhandlungen des Storthing nur summarische Protokollegeführt, während die Zeitungen ausführlichere Berichte brachten. 1844 be-stimmte der Storthing 1000 Species für diejenigen, welche die Stenographieerlernen würden. Dies bewog den Advokaten Paludan, bei Götrek dessenStenographie 1847/8 zu erlernen. Aber selbst, nachdem Paludan Schülerheranbildet hatte, mit denen er 1848/9 die Reichsversammlung in Kopenhagenstenographierte, stand man von der amtlichen Anstellung der Stenographenab und überließ die Veröffentlichung der Verhandlungen den Zeitungen.
In Dänemark bestand zu Anfang des Jahrhundertes keine Volksver-tretung, und deshalb hatte die von Rasmussen 1812 veröffentlichte abge-kürzte Currentschrift nur private Zwecke im Auge. Auch als 1834 berathendeProvinzialstände eingeführt wurden, verwendeten die Secretäre derselbenzur Anfertigung der Protokolle Currentschrift, doch whd diesen Protokollengroße Ausführlichkeit nachgerühmt. Im Jahre 1848 veranlasste die Regierungzwei junge Männer Dessau und Fielt, die Stenographie gleichviel wo zuerlernen. Fich gieng nach Frankreich, Dessau nach München, wo er beiGabelsberger dessen Stenographie erlernte. Nachdem beide heimgekehrtwaren, fiel die vorgenommene Probe zu Gunsten Dessaus aus, welcherdarauf mit Abhaltung von Lehrcursen zur Ausbildung praktischer Steno-graphen beauftragt und mit der Bildung und Leitung des Stenographen-bureaus betraut wurde, welches am 26. Februar 1849 zum erstenmalfungierte. Nach dem Schluss der Reichsversammlung eröffnete Dessau neueCurse, aber auch Paludan begann solche, worauf '8 Schüler Dessau's imLandesthing, 8 Schüler Paludan's im Volksthing angestellt wurden. Dadurch,dass Dessau alle erledigten Stellen mit seinen Schülern besetzte, gelang esihm nach und nach, die Anhänger Paludan's zu verdrängen.
In Norwegen veröffentlichte Paludan 1852 ein kleines Handbuch derStenographie. EinSchüler desselben, Cappelen, der 1866 bei Dessau, die Gabels-berger'sche Stenographie erlernt hatte, wurde 1868 als Bureauchef und seineinzwischen ausgebildeten Schüler als Stenographen des Thing angestellt.Seither werden im Parlament nur Gabelsberger'sche Stenographen verwendet.Außer den Lehrcursen zur Heranbildung von Kammerstenographen wirddie Stenographie nur noch an der Handelsschule zu Christiania gelehrt.Auch am obersten Gerichtshof ist ein Stenograph angestellt. Das SystemDtiploye' wurde von einem Professor zu Dronfheim auf die norwegische Spracheangewendet, der seine Schüler in dieser Schrift unterrichtete.
In Schweden wurde 1855 vom Secretär des Ritterhauses bekannt ge-macht, dass Stenographen und zwar nach Gabelsberger'schem System gesuchtwürden. In der Folge meldeten sich beim nächsten Reichstage (1856) Roosund Graf Lötvenhaupt, welche auch angenommen wurden; Roos bildetehierauf mehrere Stenographen aus. Inzwischen war die Gabelsberger'scheStenographie von dem Münchener Stenographen Andreas Huber 1855 aufdie schwedische Sprache übertragen worden, andere Lehrbücher veröffentlichtenPetre 1860, Swan 1862, Taube 1867, Tesch 1870 u. a. (s. Litteratur). 1880wurde die Arends'sche Stenographie von Erik Bergsten zu Upsalaauf das Schwedische angewendet und verschaffte sich Verbreitung, selbst Ein-gang in das stenographische Bureau der zweiten Kammer. Das Stolze'scheSystem wurde von H. Reimboldt und Amnel 1881 übertragen, eine neue